Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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am Halse von rosettenförmiger Fibula zusammengehaltener Chlamys,
die ihm beim Sitzen und beim Aufstützen des linken Ellenbogens
zur Unterlage dient; ein Zipfel bedeckt den Schoss. Hier scheint
die Rechte geruht zu haben oder ein Gegenstand, den sie hielt.
Der Köcher, welchen das von der linken Schulter oberhalb der
Chlamys quer über die Brust gelegte Band bezeugt, fehlt — wenn
meine eiligen Notizen nicht trügen — auf dem angelegten Rücken,
hieng also wohl zur Seite herab. Die übereinandergeschlagenen
Füsse tragen einfache Riemenschuhe, der ziemlich wohlerhaltene
langgelockte Kopf ist von einem anliegenden Lorbeerkranz um-
geben. Er gemahnt mit den etwas in die Höhe gezogenen Brauen
an hellenistische Typen und erinnerte mich insbesondere etwas an
den Helios des pergamenischen Altars. Die Länge der Figur be-
trägt ungefähr 1*7, die Höhe an 1*3, die Dicke 0*33 M. Die Statuen
bildeten ohne Zweifel den Schmuck eines Gebäudes, vielleicht eines
Tempelgiebels.

Irgend einem architektonischen Zusammenhange gehörte auch
das charakterlose Gorgoneion (Fig. 1) in wahrscheinlich sechs-
eckigem vertieften Felde an, welches ich in der Abenddämmerung
zu Bajina-Basta skizzierte, wo es in der Stützmauer der Röhren-

Fig. 1 Fig. 2

leitung an der Mühle des Cvetko Jeftic verbaut ist und immer-
während vom Wasser berieselt wird. Der Stein ist etwa 0*55 breit.
Moos und Schlamm machten das Materiale unkenntlich. In der
Nähe lag ein leidlich gearbeitetes Pilasterkapitell. In jener Mauer

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