Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 212
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verbaut war aucbf das etwa 0*6 M. im Geviert messende Relief
Fig. 2, zwei Brustbilder nebeneinander darstellend, rechts dasjenige
eines Mannes in langärmligem Rock und Chlamys, der eine Schrift-
rolle hält, links wahrscheinlich dasjenige seiner Frau, welche wein-
blattförmige Fibulae und einen daran befestigten an Phalerae er-
innernden Brustschmuck trägt. Die herzblattförmigen Gehänge
kommen auf Denkmälern der Kaiserzeit in verschiedener Verwendung
häufig vor. Wir haben ohne Zweifel den Obertheil einer Grabstele
vor uns, welcher durch die am unteren Bruchrand erhaltene Leiste
gegen das Hauptfeld, das die Inschrift trug, abgegrenzt wurde.

Auf Grabsteinen wesentlich gleicher Form erscheinen die Ver-
storbenen auch in ganzer Gestalt, wie Fig. 3 zeigt, von einer über
1*6 h., 065 br. Kalksteinplatte auf dem Friedhof zu Karan mit der
Inschrift: D(is) M{anibus) Fl. Tattae libertae et nutrici defiunctae)
an(nis) L Fl. Prisca C(ai) f(ilia) et Dazieri vil(lico) vivo p(osuit).
Die Dargestellten scheinen beide Schlüssel zu halten. Der Stil
stimmt zu dem barbarischen Charakter der Namen.

Fig. 4

Ein ähnliches Reliefbild als einziger Grabschmuck, ohne bei-
gefügte Inschrift, fand sich auf dem Ruinenfelde von Gorobilje bei
Pozega. Eine etwa 1 M. br., 0*7 h., 025 d. Platte aus hartem
grauen, weiss und rosenfarben geäderten Kalk trägt in breiter ein-
facher Umrahmung die beiden unter Fig. 4 abgebildeten Gestalten.
Die Frau scheint mit aegisähnlichem Kragen geschmückt und in der
Rechten ein situlaartiges Gefäss zu tragen. Den Mann hielt ich
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