Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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Dieser so viel ich weiss neue Typus ist in mancher Hinsicht
merkwürdig. Zunächst als weiteres Beispiel der seltenen Verbin-
dung des Reiterheros mit dem Totenmahl, welche in anderer An-
ordnung in Thrakien und Kleinasien vorkömmt, vergl. Dumont
lnscr. et mon.fig. de la Thrace in Archives des missions scientif. 3. seV.

Archäol. Zeitg. 1864 S. 172; ebenda 1872 S. 105; Milchhöfer Mitth.
d. arch. Inst. Athen 1879 S. 165. Neu war mir ferner die Dar-
stellung der Zurüstung zum Male, wie sie auf B und C erscheint:
der vor dem gelagerten Manne der Hauptseite fehlende Tisch wird
nebst anderem Geräth von einer Dienerin auf einer Nebenseite her-
beigetragen. Endlich scheint auf A mit den symbolischen Dar-
stellungen ein realistisches Todtenrelief nach Art der unter Fig. 3
und 4 abgebildeten verbunden zu sein; wenigstens weiss ich die
beiden Männer nicht anders aufzufassen. Vielleicht ist der Mann
neben der Tischträgerin auf C ebenso aufzufassen.

Noch möchte ich ein Stück primitiver Kunst der neuesten
Zeit verzeichnen, welches in überraschender Weise Erscheinungen
des antiken Archaismus wiederholt. Den Gefallenen der letzten
Türkenkriege sind, wenn ich mich recht erinnere, besonders in den
westlichen Landestheilen, vielfach an den Wegen Denkmäler er-
richtet, in Gestalt von einfachen Steinpfeilern, welche an der Vorder-
seite das etwas weniger als lebensgrosse Bild eines serbischen In-
fanteristen in vollem Farbenschmucke zeigen. Die Grundlage der
Bemalung aber ist ein flaches Relief, in ganz ähnlicher Technik,
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