Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 223
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Relief wurde als zugehörig ein Spiegel erworben, der indessen seiner
völlig verschiedenen Patinirung halber von einem anderen Exemplare
herrühren dürfte.

Das Relief muss sich bei seiner Auffindung in einem desolaten
Zustande befunden haben und dankt seine gegenwärtige Gestalt
einer gründlichen Restauration, Die ursprüngliche Arbeit liegt nur
an wenig Stellen mehr zu Tage und zeigt an diesen eine sehr
schöne Patinirung. Die ruinirten Stellen hat der Ergänzer mit einer
dickflüssigen Masse, deren grüne Farbe sich durch ihre Stumpfheit
von dem Glänze der echten alten Patina unterscheidet, ausgefüllt
und das Relief, wo es sich vom Grunde losgelöst hatte, mit dem-
selben verbunden. Den Kopf der sitzenden Figur hat er dabei
zwei Centimeter hoch über die Fläche erhoben, weit über die
sonstige Höhe des Reliefs heraus. Von ihm rührt die Umrahmung
her, die nach den geringen erhaltenen Spuren zu schliessen, aus
einem palmettenartigen Ornament bestand, ferner fast der ganze
Oberleib, der rechte Arm, das rechte Bein und das Gewand an der
sitzenden Figur, der rechte Arm, der rechte Fuss und bis auf den
obersten Rand das Gewand sammt hängendem Zipfel an der
stehenden Figur. Die Restaurirung wird manches nicht unwichtige
Detail zerstört haben, in der Hauptsache aber ist die Composition
gesichert und nicht etwa durch Contamination mit Ueberresten
anderer Exemplare gefälscht, wie man auf den ersten Blick ver-
muthen könnte. Im Vereine mit Prof. Macht von der Kunstge-
werbeschule des Museums habe ich auf diesen Verdacht hin alle
Einzelheiten genau untersucht und mit ihm die Ueberzeugung ge-
wonnen, dass kein Pasticcio vorliegt. Nur der Kof der stehenden
Figur, dessen braune Bronzefarbe auffällig von den anderen alten
Partien absticht, ist vielleicht nicht zugehörig.

In der Figur zur Linken erkennt man sofort Dionysos. Un-
gewöhnlich ist sein Sitz gestaltet. Auf den mit Volutencapitellen
und gravierten Palmetten verzierten, in der Mitte in üblicher Weise
eingezogenen Beinen liegt über einem Mittelgliede mit eierstab-
artigem Ornament eine geschwungene Lehne mit spiralförmigen
Endigungen (die vordere ergänzt). Eine derartige Armlehne ist mir
an antikem Sitzmöbel nicht bekannt. Nur die Betten haben, meist
in der späteren Zeit, auf unteritalischen Vasen und römischen Sar-
kophagen2), aufsteigende Kopflehnen von ähnlicher Form. Die

2) Vgl. z. B. Lenormant u. De Witte, El. cer. II 23 a; Conze, Vorlegebl.
S. 13; Bouillon, Musee Nap. III. Eel. pl. 19.
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