Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

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In St. Andrä ist ein von Hrn. Prof. Jäger gefundener In-
schriftstein jetzt innerhalb des Schwibbogens der Stadtmauer an
der Bahnhofstrasse zweckmässig eingemauert und sichergestellt. Zu
lesen ist:

Professor Jäger zeigte mir auch einen zweiten römischen In-
schriftstein , der im Fussboden der Sacristei der Pfarrkirche liegt,
aber durch die Tritte der darüber Hinwegschreitenden so abge-
schliffen ist, dass nur noch wenige Buchstaben kenntlich sind.

Von einem in den Ruinen des Petersberges zu Friesach
gefundenen Römerstein übergab mir der Architekt und k. k. Con-
servator A. Stipperger einen Papierabklatsch. Danach ist zu er-
kennen 2):

Bauwerkes ionischer oder korinthischer Ordnung. Der in der Bauinschrift ge-
nannte proc(urator) August\i Urbicus ist, wie auch schon Domaszewski bemerkt
hatte, wohl sicher identisch mit dem "bei Tacitus hist. 1, 70 erwähnten Petrönius
Urbicus procurator, der im J. 69 n. Chr. Anstalten traf, um Noricum für Otho zu
sichern. Die Form der Buchstaben weist bestimmt auf eben diese Zeit hin, und
dass kurz nach einander zwei verschiedene Personen mit dem recht seltenen Cog-
nomen Urbicus die Verwaltung von Noricum gehabt haben sollten, ist nicht glaub-
lich. Allerdings ist bei Tacitus die Form Urbicus nicht unmittelbar überliefert.
Aber die Ergänzung des sinnlosen urbi der Handschriften, die hier das verloren
gegangene Doppelblatt des Mediceus ersetzen, in urbicmn, die von Freinsheim her-
rührt,, war schon bisher fast sicher und ist mit Recht in den neuesten Ausgaben
aufgenommen; durch den neuen Fund hat sie ihre urkundliche Bestätigung erhalten.
Wir haben also das Stück eines Bauw» rkes, das im J. 69 oder kurz vorher von
dem kaiserlichen Procurator, der das regnum Noricum verwaltete, in der Nähe von
Virunum errichtet wurde. Vielleicht darf man hierin auch eine Andeutung dafür
sehen, dass in dieser Zeit Virunum die Residenz des Procurators von Noricum war:
eine Annahme, die wohl überhaupt durch die Beschaffenheit der monumentalen
Zeugnisse nahegelegt wird. A. d. R.J

2) [Nach Mittheilung des Herrn Studiosus Binn, Mitglied unseres Seminars,
wurde der Stein am 4. September 1886 in der Friedhofsmauer des Petersberges
gegenüber dem Chor der Kirche bei Ausbesserung der Mauer gefunden. Seine Copie
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