Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Ausgrabungen in Carnuntum

(Tafel I-IY)

I

Die Arbeiten begannen in diesem Jahre mit der weiteren Auf-
deckung des Lagers und setzten dort ein, wo sie am Schlüsse der
vorjährigen Arbeitsperiode unterbrochen werden mussten. Von der
Ueberzeugung geleitet, dass die Aufdeckung des Lagers vorerst die
wichtigste Aufgabe sei und dass der Erforschung desselben und
Klarstellung seiner baulichen Disposition die volle Rücksicht vor
anderen Arbeiten zugewendet werden müsse, hat die Leitung auch
in diesem Jahre das Schwergewicht der Thätigkeit hierher verlegt
und hier gewissermassen ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Die
Bedenken, dass unmittelbar in die Augen springende Funderfolge
vielleicht im Lager am wenigsten zu erwarten seien, ja hier viel-
leicht in letzter Linie jene Schätze zu Tage treten dürften, welche
das Interesse an den Grabungen in die weitesten Kreise zu tragen
geeignet wären, durften für eine rein wissenschaftliche Erforschung
der Localität am wenigsten bestimmend werden. Die Arbeit musste
hier ihre Fortsetzung finden, um vorerst den Schleier zu heben,
der über dem Lager und dessen erhaltene Theile gedeckt ist, und
man musste sich von vorneherein darauf gefasst machen, dass nicht
jeder Spatenstich Neues und Interessantes bringen könne, ja selbst
wochen- und monatelange Arbeit erforderlich sei, um in einzelne
Partien der Anlage Klarheit zu bringen und endlich in die Einsicht
der Gesammtanlage zu gelangen. Schon die Grabungen der letzten
Jahre hatten einzelne grössere Baucomplexe und Directionslinien
für die Anlage des ganzen Lagers zu Tage befördert. Um diese
grösseren, in abgeschlossener Form entgegentretenden Baupartien,
welche zugleich die achsiale Stellung der ganzen Disposition be.
stimmen, gruppiren sich eine Unzahl kleinerer Räume, die nur in
ihrer Gesammtfiguration, nicht im Einzelnen, die Vorstellung der

Archäologisch-epigraphische Mitth. XI. j
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