Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Anlage fördern können. Die Aufdeckung und Klarstellung muss
jetzt von den grossen Räumen, von der Mitte des Lagers nach
Aussen gehen, die Auffindung der Lagerstrassen und Thore diese
Klarstellung fördern. Zum Theil ist dies auch in diesem Jahre
ermöglicht gewesen. Die im Berichte von 1885 ausgesprochene
Vermuthung, dass östlich vom Forum eine Strasse in südnördlicher
Richtung durch das Lager laufe, hat ihre volle Bestätigung gefunden.
Die Strasse konnte in einer Länge von 60 Meter vom Forum nach
Süden verfolgt werden und war durch zwei Reihen Randsteine,
die im Mittel 3-45 Meter von einander entfernt lagen, gekennzeichnet.
Allerdings sind nur die Randsteine als zwei lange hinlaufende
Plattenreihen erhalten, während zwischen denselben jede Spur von
Steinpflasterung fehlt, .

Im Verfolge der Aufdeckung an der Ostseite des Lagers
stiessen wir wieder auf eine Reihe kleinerer Räumlichkeiten, deren
Mauern in zum Theil sehr zerstörtem Zustande waren und zwischen
denen Reste von Hypokausten und Wasserläufen vertheilt sind, die
aber, weil sichtlich einer argen Verwüstung ausgesetzt, kein deut-
liches Bild des baulichen Zusammenschlusses geben können. An
der östlichsten Grenze der diesjährigen Grabung wurde ein gewölbter
Canal von 1"70 Meter lichter Breite und 3*50 Meter lichter Höhe
gefunden, der in der Richtung der Langachse des Lagers gegen die
Donau läuft und als Abzugscanal anzusehen ist.

Nachdem nun durch fünf Sommer die Aufdeckung des Lagers
fortgesetzt wurde und hierdurch viele Theile desselben blosgelegt
waren, schien es mir wünschenswert!), die Resultate dieser Auf-
deckungen zusammenzufassen und die sämmtlichen Pläne zu einem
Plane zu vereinigen. Der Zweck dieser Vereinigung ist, einerseits
ein klares Bild des bereits Gewonnenen zu erhalten, andererseits
die Aufgabe zu präcisiren, welche für die volle Aufdeckung des
Lagers noch zu erfüllen ist. Der angeschlossene Plan Taf. II gibt
die Darstellung des Lagers, soweit seine Disposition bis nun erforscht
wurde. Die Grabungen fanden durch fünf Jahre statt und zwar
in den Jahren 1877, 1878 und 1883 im Auftrage des k. k. Mini-
steriums für Culfus und Unterricht durch die k. k. Central-Com-
mission für Kunst- und historische Denkmale, in den Jahren 1885
und 1886 durch den Verein Carnuntum. Leider war es mir, als
Leiter der sämmtlichen Grabungscampagnen, nicht immer möglich,
bei der Arbeit schrittweise vorzugehen, da die längeren Unter-
brechungen das Wiedereinsetzen der Arbeit an der Stelle der Unter-
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