Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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schrift vor itio-j/ noch den etwas undeutlichen Rest eines Buch-
stabens zeigt, der, wie es scheint, wohl nur zu i (von v) passt,
und dass in Z. 3 ich iminaarvs-« las, Hirschfeld /mina-arvsa/i —
Ueber die Zeit der Inschrift ist unseren Abschriften keine Ver-
muthung zugefügt.

Die Reste sind zu gering, als dass bei der Eigenartigkeit des
Inhalts eine wohlbegründete Herstellung des Ganzen möglich schiene.
In dem auf den Zwischenraum folgenden Theile stand wohl sicher
m beiden Zeilen der Name Priscus, und in der ersten folgte darauf
trib(unu$) m[il(itum)]. In der letzten Zeile vor dem Zwischenraum
(Z. 7) stand vor annis ampliu[s] wohl eine auf [in]ta endende Zahl,
also ein Zehner zwischen triginta und nonaginta. Dabei liegt am
nächsten anzunehmen, dass ein Wort wie vixit ausgefallen ist und
die Lebensdauer von mehr als so und soviel Jahren angegeben
war; doch könnte auch von irgend einer lange dauernden Thätig-
keit die Rede gewesen sein. Das -arvs- in Z. 3 kann, soviel ich
sehe, entweder nur der etruskische Vorname Aru(n)s sein oder die
allerdings sehr befremdende Abkürzung des Wortes arusipex)2) oder
eines davon abgeleiteten. Z. 4 muss wohl etwa gewesen sein:
[I]ovis et Iustitiae et. Unverkennbar ist ferner im Ganzen der Sinn
von Z. 5. 6. Diese Zeilen besagen, dass die Persönlichkeit, von
der die Rede ist, etwas carminibus edidit, also in metrischer Form
herausgegeben hat, und nennen als Gegenstand dieser Schriftstellerei
<liscipuli[nam oder etwas mit discipuUna zusammenhängendes, etwa
wie Hirschfeld mir vorschlug: ven]erandum discipuli[nae . . .ritum3).
Welche Art von Lehre oder Wissenschaft hier gemeint ist, kann
kaum zweifelhaft sein bei einer solchen Inschrift, in der Iovis et
Iustitiae und wahrscheinlich die Erwähnung der Haruspicin4) voraus-

2) Die Schreibung des Wortes mit oder ohne h und mit u oder i schwankt;
m anderen Inschriften von Tarquinii findet sich die Schreibung- arispex (XI n. 3382
zweimal) und harispi. (XI n. 3390).

3) Die Hirschfeld'schen Ergänzungen sind für mich der erste Anlass ge-
wesen, der Sache weiter nachzugehen.

') Auch wenn hier wirklich der Vorname Aruns zu erkennen wäre, so würde
doch vielleicht auch mit diesem eine Beziehung auf die Haruspicin verbunden
sein. Der etruskische Name Avant (oder arnt, lat. gewöhnlich Aruns) war wohl
gleichen Stammes mit dem ersten Element des Wortes, das die Römer arispex oder
aruspex nannten. Daher wird der Name denjenigen zugeschrieben sein, die die
Wissenschaft der Haruspicin erfunden oder befördert oder wenigstens hervorragend
geübt haben sollen. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Lucan den ältesten
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