Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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setzt haben, am natürlichsten die Söhne (die regelmässig das
Cognomen des Vaters erbten und deshalb das gleiche hatten), son-
dern dass auch zu Anfang in Z. 1, die sehr wohl die erste Zeile
der Inschrift überhaupt gewesen sein kann, das Wortende rmo
trefflich zur Ergänzung Tarquitio, dem Namen des Geehrten im
Dativ passt, aber sich zu wenig anderen Namen und überhaupt auf
wenig andere Arten angemessen ergänzen lässt — wer dies erwägt,
wird nicht leicht dies Zusammentreffen für ein Werk des Zufalls
halten, sondern, wenn nicht Entscheidendes entgegensteht, die Er-
gänzung Tarquitio als wohl begründet bezeichnen.

Zur Sicherheit verhilft vielleicht eine weitere Erwägung. Von
dem Schriftsteller unserer Inschrift heisst es carminibus edidit, also
da man für die Zeit derselben, die sicher nicht über das Ende der
Republik hinauf zu verlegen ist, die Worte nicht anders erklären
kann, dass seine Werke über die Disciplin, wenigstens theilweise,
poetische Form gehabt haben. Nun haben wir, wie ich oben an-
gab, bei Macrobius zwei wörtliche Citate aus Tarquitius Priscus.
■Das eine, aus dem 'ostentarium arborarium', vermag ich zunächst
nicht weiter zu verwerthen8). Lehrreicher scheint mir das andere.
Macrobius führt 3, 7 aus, dass Vergil bei den Versen (Bucol. IV
43. 44) 'ipse sed in pratis aries iam suave rubenti | murice, iam
croceo mutabit vellera luto' Augustus im Sinne gehabt habe; er
sagt: 'traditur autem in libris Etruscorum, si hoc animal insolito
colore fuerit inductum, portendi imperatori rerum omnium felici-
tatem'9) und fährt darauf fort:

est super hoc liber Tarquitii transcriptus ex ostentario Tusco; ibi
reperitur

purpureo aureove
colore ovis ariesve si aspergetur, principi ordinis
et generis summa cum

s) Es heisst bei Macrobius 3, 20, 3 : Tarquitius autem Priscus in ostentario
arborario sie ait, 'arbores quae inferum deorum avertentiumque in tutela sunt, eas
wtelices nominant, alternum, sanguinem, filicem, ficum atrum, quaeque baeam
nigram nigrosque fruetus ferunt, itemque acrifolium, pirum silvaticum, ruscum,
*'ubum sentesque quibus portenta prodigiaque mala comburi rubere oportet'. Vgl.
Unten S. 99 A. U.

9) Dasselbe und mit fast völlig gleichen Worten steht im Commentar des
Servius zu der angeführten Vergil'sehen Stelle: 'traditur enim in libris Etruscorum,
si hoc animal miro et insolito colore fuerit infectum omnium rerum felicitatem
portendi'.

Arcliäologisch-eiiigrapliiBclie Mitth. XI. 7
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