Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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lässig scheint1ä), annähme, dass er etwa 90 — 10 v. Chr. gelebt
habe, so könnte unsere Inschrift, obwohl sie weder in der Form
der Buchstaben noch in Ausdruck und Schreibung (etwa von carus'
und 'discipulina' abgesehen) Zeichen eines höheren Alters zeigt,
doch bei seinem Tode oder bald nach demselben gesetzt sein.

Dass die Inschrift in Tarquinii gefunden ist, spricht dafür,
dass Tarquitius daher stammte. Vielleicht war auch seine Her-
kunft von dort ein Grund für ihn , dass er die Fassung der Sage,
nach der die Disciplin zuerst auf dem Boden von Tarquinii gelehrt
war, aufnahm und damit zur herrschenden machte. Ferner lehrt das
m, das in der Inschrift nach unserer Annahme auf Tarquitio folgte,
mit Wahrscheinlichkeit, dass sein Vater den Vornamen Marcus
hatte; er selbst mag den gleichen gehabt und auf dem Steine ge-
standen haben: M. Tarq]uitio M. [f. Stell(atina, der Tribus von
Tarquinii) Prisco *6). Der M. Tarquitius Priscus, der unter Nero Statt-
halter von Bithynien war und wegen Missbrauchs dieser Stellung im
J. 61 verurtheilt wurde (Eckhel 2 S. 402; Taeitus ann. 14,46, vgl.
12, 59), kann zu seinen Nachkommen gehören. Auch wird wohl mit
ihm verwandt gewesen sein die Tarquitia Prisca, die zu Veji ihren
Gatten M. Saenius Marcellus bestattete (C. I. L. XI 3840).

Es sei mir gestattet, von der Inschrift, die zu den vorstehen-
den Erörterungen Anlass gegeben hat, eine Ergänzung abzudrucken,
die nur etwas Mögliches darstellen will17).

'*) Schmeisser möchte die schriftstellerische Thätigkeit des Tarquitius in die
Zeit des Bundesgenossenkrieges setzen, doch ist seine Beweisführung, wie mir
scheint, nicht zwingend.

1G) Der C. Tarquitius P. f. Priscus, der Offizier des Sertorius und vorher
Quästor in Spanien war (Mommsen, Rom. Münzwesen S. 600 A. 393), wird auch
mit dem Schriftsteller verwandt und kann etwa sein Vatersbruder gewesen sein.

") Namentlich für Z. 7. 8 hatte ich auch einige andere Ergänzungen vor-
schlagen können. — Wo und wie die Inschrift angebracht war, ist bei dem Fehlen
genauer Analogien kaum mit Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Bei den geringen
Dimensionen (die Buchstaben sind in Z. 1 — 7 etwa l'/i> Z. 9. 10 etwa l5/6 Cm.
hoch) ist eine Aufstellung unter freiem Himmel wenig glaublich. Eher könnte sie
sich unter einem Medaillon (clipeus) oder einer Büste befunden haben, und es
lassen sich ja manche Eäume denken, für die Bildnisse von Männern, in deren
Kreis unser Tarquitius gehörte, ein passender Schmuck waren.
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