Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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aber noch zu keiner allgemein gebilligten Lösung geführt worden.
In den vor nun 60 Jahren geschriebenen 'Etruskern5 von Otfried
Müller, in der Neubearbeitung von Deecke noch immer dem Haupt-
werk über etruskisches Älterthum, läuft das Ergebniss der Erörte-
rung (I S. 327) darauf hinaus, dass etwa siebzehn Gemeinden
triftigen Anspruch darauf hätten, zu den zwölf gezählt zu werden,
nämlich (indem ich sie alphabetisch ordne): Arretium, Caere, Clu-
sium, Cortona, Faesulae, Falerii, Perusia, Pisae, Rusellae, Salpinum,
Saturnia (das, wie Müller, meint, früher Aurinia oder Caletra hiess),
Tarquinii, Veii, Vetulonium, Volaterrae, Volci, Volsinii. Mommsen
dagegen spricht sich auch noch in der neuesten Auflage seiner
Römischen Geschichte so aus (l7 S. 125): Mm eigentlichen Etru-
rien war die Metropole Volsinii; von den übrigen Zwölfstädten
desselben kennen wir durch sichere Ueberlieferung nur Perusia,
Vetulonium, Volci und Tarquinii'. Und vorher ist gesagt (S. 120),
dass wir von Populonia 'sicher wissen, dass es zu den alten Zwölf-
städten nicht gehört hat'.

Ich war veranlasst, diese Frage zu prüfen, da ich vor kurzem
unter die lateinischen Inschriften von Caere ein Bruchstück auf-
zunehmen hatte, welches auf ein Gesammtdenkmal der Zwölfstädte
bezogen worden ist, und, wie ich jetzt glaube, mit vollem Recht.
Es ist dies eine mit einem Rande versehene, als Relief bearbeitete
Marmorplatte, die links der ganzen Höhe nach gebrochen ist, wäh-
rend rechts nur oben ein Stück fehlt. Gefunden wurde sie an-
scheinend an der Stelle des Theaters von Caere zugleich mit einer
Reihe von Statuen, die Mitglieder des julisch-claudischen Kaiser-
hauses darstellen, und von Inschriften, die sich auf Sockeln von
solchen Statuen befanden, grossentheils gesetzt vom senatus populusque
Caeres. Der erhaltene Theil der Platte zeigt auf der Vorderseite in mas-
sigem Relief nebeneinander drei Gestalten, die, wie die Unterschriften
besagen, drei Gemeinden Etruriens vertreten, nämlich von rechts
beginnend die Tarquinienses, die V[ol]centani und die Vetulonenses.
Die beiden ersten Gestalten befinden sich auf Sockeln, die nackte
männliche Gestalt, die die Vetulonier vertritt, steht frei, ragt aber,
da sie entsprechend grösser gebildet ist, gleich hoch hinauf. Nun
hat L. Canina, der zuerst von dem Funde berichtete (bull. delV Inst.
1840 p. 92 — 94) und in seinem Werke Etruria marittima Abbil-
dungen und einen Restaurationsversuch herausgab, die Vermuthung
aufgestellt, diese Platte wie der gleichzeitig gefundene Obertheil
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