Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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aus Volsinii wird diese Stadt ausdrücklich als putrid bezeichnet,
und der Geehrte von Tarquinii hat die tarquinische Tribus und ist
auch quinquennalis Tarquim's gewesen. An diese würde sich (6)
die verstümmelte Inschrift von Pisae anschiiessen (XI, 1432 = Gori
I. E. 2, 18, 12), die nach sicherer klrgänzung zu Ehren eines L-
Venuleius Apronianus gesetzt ist, der im Jahre 168 n. Chr. zum
zweiten Male Consul war. Nach den Resten praetori ■ etrvriae • V •
plsls... und !n patriae svam ■ beneficia hat er fünf Mal die Prätur
in Etrurien bekleidet, war selbst aus Pisae und hat dort wohl auch
ein Gemeindeamt bekleidet [nach dem Pisis muss eine derartige
Bezeichnung gefolgt sein, etwa guinq(uennalis)]. Während aber die
Städte, aus denen die fünf ersten Inschriften herrühren, in der Liste
der duodecim populi, wie wir sie aufgestellt haben, stehen, findet
sich Pisae nicht darin20). Aus der eben besprochenen Inschrift
lässt sich vielleicht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür ableiten,
dass Pisae zu den XV populi gehört habe, aber durchaus keine
Sicherheit. Das wird noch deutlicher durch die Betrachtung der
drei letzten Inschriften (7—9). Diese sind anscheinend ausserhalb
der Landschaft Etrurien gefunden. Die eine (Uenzen n. 6183),
die in Bettona (Vettona), also in Umbrien, aber nahe der Grenze des
antiken Etruriens, als Baumaterial verwendet war, ist sehr ver-
stümmelt und nur aus einer einzigen Abschrift bekannt. Deutlich
ist darin die Erwähnung des Amtes (tore aetrvriae xv-p-p) und das
Aetruriae ludos aedddit- auch ist vorher Tuscia erwähnt. Aber bei
dem Fehlen eines Stadtnamens bleibt auch das unsicher, zu welcher
Stadt der Geehrte in näherem Verhältniss stand, und da Bettona nahe
bei Perugia liegt, so wäre vielleicht möglich, dass die Inschrift nach
dieser Stadt gehört. Die achte (C. IX 3667 = Orelli 3149) war in dem

20) Allerdings ist vielfach, auch von O. Müller, Pisae zu den Zwölfstädten
gerechnet worden. Aber schon Cluver und Norisius haben sich gegen diese An-
nahme erklärt, und auch ich habe es in der Einleitung zu den Inschriften von
Pisae (XI S. 273) gethan, bevor ich mir eine Ansicht über den Bestand der Liste
gebildet hatte. In den mancherlei Erzählungen über den Ursprung von Pisae
kommt allerdings auch die Gründung durch die Etrusker vor, aber die anscheinend
bessere Ueberlieferung weist die Stadt den Ligurern zu; lange Zeit, voraussetzlich
bis auf Sulla, lag sie ausserhalb der Grenzen Italiens, die an dieser Stelle mit
denen Etruriens zusammenfielen; als sie das römische Bürgerrecht erhielt, wurde
sie der für die Ligurer bestimmten Tribus, der Galeria, zugewiesen, und Etruskisches
ist, so viel ich weiss, bis jetzt weder in Pisa selbst noch in der Umgegend ge-
funden worden.
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