Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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erfordern würde, nicht eingehen. Augustus hat nun auch den
später bestehenden politischen Bezirk Etrurien geschaffen. Er hat,
wie bekannt, als er zuerst Italien eine Gliederung für die Verwal-
tung gab, dasselbe in eilf Regionen getheilt und dabei sich im
Ganzen an die alten Stammesgrenzen angeschlossen. Auch die
Region, die Etrurien umfasste und diesen Namen hatte, die siebente,
folgte im Ganzen den Grenzen des Stammes, wenn auch .die Region
namentlich nach Norden und Nordwesten hin ausgedehnt ward,
indem für sie jetzt eine grössere Strecke entlang der Kamm des
Appennin die Grenze bildete. Wenn nun Augustus gleichzeitig den
religiösen Bund Etruriens wiederherstellte oder neu belebte, so wäre
ja an sich eine nicht sehr bedeutende Aenderung in dem Bestände
der Mitglieder nicht besonders auffallend. Es könnten, wie Müller
bei seiner zweiten Möglichkeit es sich dachte, die neuen Mitglieder
solche sein, die jetzt als selbständige Gemeinden betrachtet wurden,
während sie früher einer anderen zugetheilt waren. Möglich wäre
aber auch, dass Augustus Gemeinden aufgenommen hätte, die früher
ausserhalb des Bundes standen, solche die mit den alten Zwölf-
städten jetzt in derselben Region zusammen waren und doch auch
als etruskischen Stammes betrachtet werden konnten"4). Vielleicht ist
dies wirklich geschehen, und dann hat nach dem, was oben gesagt
ist, wohl Pisae besonders begründeten Anspruch darauf, als eines
der neu hinzugefügten Glieder betrachtet zu werden. Es gehörte
seit Augustus zur Region Etrurien, hatte durch ihn Colonisten und
den Namen Opsequens Iulia erhalten, und beide Adoptivsöhne des
Kaisers sind seine Patrone gewesen. Auch zählt Vergil schon die
Pisaner und zwar als eigene Abtheilung unter den Etruskern auf,
die dem Aeneas Hülfe leisteten. Dies unterstützt sehr das oben

") Offenbar hat der Bund diesen Charakter der Zugehörigkeit zum etruski-
schen Volksstamm auch in der Kaiserzeit bewahrt und ist nicht zu einer Vereini-
gung der selbständigen Gemeinden der Landschaft Etrurien oder wenigstens der
bedeutendsten derselben geworden. Solche Gemeinden gab es nach dem augustisch-
plinianischen Verzeichniss fast fünfzig (s. S. 120), aber es haben z. B. alle Ge-
meinden römischer Gründung, die schon im 4. Jahrhundert der Stadt errichteten
Festungen Sutrium und Nepet, wie die späteren Gründungen Cosa, Castrum Novum,
Alsium, Fregenae, Pyrgi, Saturnia, Graviscae, Luna, Florentia,. ausserhalb des
sacralen Etruriens gestanden. Beloch (der italische Bund S. 162) ist durch die
irrige Zuweisung von Inschriften mit Aedilen Etruriens an Saena (Siena) und
Sutrium getäuscht worden.
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