Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 124
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um die Zahl und diu Gebietsausdehnung der alten etruskischen
Städte, wie in römischer Zeit, so in der Zeit der Unabhängigkeit
zu bestimmen. Doch will ich jetzt darauf nicht eingehen, auch
nicht auf die Art der Organisation selbst und deren etwaige Ein-
wirkungen auf ähnliche Gestaltungen innerhalb des römischen
Reiches"8). Dagegen ist es vielleicht bequem, wenn ich zum
Schlüsse die hauptsächlichen, früher verwendeten Städtereihen, die
entweder bei Schriftstellern angeführt werden oder aus Inschriften
sich ergeben, übersichtlich zusammenstelle [s. S. 123].

Auch bei dieser Erörterung sei mir, wie bei der vorigen, ge-
stattet, auf das Denkmal, durch welches sie angeregt worden ist,
hier das Relief aus Caere, zurückzukommen, da in ähnlicher Weise
das Ganze, von dem es einmal einen Theil bildete, räthselhaft ist.

Der Gedanke, der in demselben ausgeführt ist, eine Reihe von
Gestalten, die Gemeinden vertreten, im Relief zu einem Gesammt-
denkmal zu vereinigen, findet seine nächste Analogie in der be-
kannten puteolanischen Basis (0. Jahn, Ber. d. sächs. Gesellschaft
1851 Taf. 1—4 S. 119 ff.; C I. L. X, 1624) mit der Widmung an
Kaiser Tiberius und den Gestalten der 14 asiatischen Städte. Diese
sind äusserst symmetrisch angeordnet. Die Nebenseiten der Basis
sind beträchtlich schmäler als die Vorder- und Rückseite, und es
enthalten die beiden Nebenseiten je eine entsprechende Gruppe von
drei Gestalten, die Rückseite zwei solche Gruppen, also sechs
Städte, während auf der Vorderseite zu beiden Seiten der den
grössten Theil der Fläche einnehmenden Inschrift noch je eine
Stadt angebracht ist. Die Vertheilung zeigt das folgende Schema,
bei welchem ich in der Bezifferung, die willkürlich ist, Jahn und
Mommsen gefolgt bin:

''a) Vielleicht noch nicht erörtert, aber wohl der Erwägung werth ist die
Frage, ob und wie weit bei der Organisation, die Augustus in manchen Provinzen
traf, mit von den populi beschickten Landtagen und deren religiöser Feier bei
einem gemeinsamen Heiligthume und durch einen jährlich gewählten Priester,
Etrurien als Vorbild gedient hat. In dem fünften Bande von Mommsens römischer
Geschichte haben dieselben eine Darstellung gefunden. Namentlich bei der uns
genauer bekannten Organisation der drei Gallien, für die der Altar bei Lyon mit
der jährigen Festfeier der Mittelpunkt war, liegt wohl das Vorbild Etruriens näher
als etwa hellenische Amphiktionien.
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