Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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der peut. Karte und im lt. Hierosolymitanum zu lesen. Um die
vielen Erklärungen dieses Ausdrucks hier nicht näher zu besprechen,
die von verschiedenen Forschern herrühren, bemerke ich, dass
Salamon in medio als terminus technicus aufgefasst wissen will; in
medio habe zunächst einen Knotenpunkt zweier Strassen, der nicht
in eine Station fiel, bezeichnet; im It. Ant. erfahre der Reisende
durch derlei Zusätze die für ihn gewiss wissenswerthen Anschluss-
linien und ihre Endpunkte. Dagegen ist einzuwenden, dass diese
Zusätze zum Theile dort stehen, wo an das Vorhandensein einer
Anschlusslinie niemand denken kann (so wäre es gefehlt, bei AU-
cano XL—in medio Curla — Poetovione XXXI an ein Einmünden
irgend einer von der Gegend des Plattensees kommenden Strasse
in die Linie Wien—Pettau zu denken); ferner dass so viele An-
schlusslinien, die wirklich vorhanden waren, nicht im Itinerar auf
diese Art kenntlich gemacht wurden; ferner dass, wenn Salamon's
Theorie richtig wäre, nur die Anschlusslinien der rechten Seite
(von Süden aus gerechnet) aufgezählt, die der linken hartnäckig
übergangen sind. Die mit in medio bezeichneten Stationen müssen,
was diese Worte deutlich genug besagen, Zwischenorte zwischen
zwei Hauptstationen gewesen sein, die aber nicht mathematisch
genau in die Weghälfte zu fallen brauchten. Hier an der Donau
waren dies bedeutendere Orte, volkreiche Städte, Ortschaften,
Festungen, die im Itinerar aufgezählt werden mussten. Auf anderen
pannonischen Strassenlinien gab es entweder solche Zwischen-
stationen nicht, oder wenn ja, so waren sie weniger bedeutend,
etwa Remisen, mit deren Aufzählung man den Umfang des Buches
nicht unnöthiger Weise vergrössern wollte.

3. Salamon hat ferner übersehen, dass das Itinerarium die
Strasse Taurunum — Aquincum—Brigetio u. s. w. als Uferstrasse
ausdrücklich durch die Ueberschrift: item per ripam Pannoniae
a Tauruno in Gallias bezeichnet und eine Binnenstrasse von ihr
unterscheidet: item de Pannoniis in Gallias per mediterranea loca, id
est a Sirmi per Sopianas; diese Binnenstrasse läuft übrigens bis
Sopianae ungefähr in der Richtung der von Salamon vermutheten
Hauptstrasse. Wo bleibt also da Raum für die wirklich über-
lieferte Binnenstrasse? Auch ist nicht genügend beachtet, dass
Ptolemaeus, der in seiner Beschreibung beider Pannonien die Donau-
Uferstädte und die Binnenorte gesondert aufzählt, unter jenen unter-
schiedslos solche aufführt, die Salamon bald an das Donauufer,
bald in das Binnenland setzt. Hier missbraucht Salamon die prin-
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