Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 134
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für Mursa am entsprechendsten Lussunio. Da dies aber nicht der
Fall ist, so scheint mir durch das Zeugniss der Meilensteine die
Unhaltbarkeit der Salamon'schen Ansicht erwiesen.

4. Es ist nicht nöthig, noch erst im Einzelnen nachzuweisen,
dass auf die von Salamon construirte Strasse die Masse des Itinerars
gar nicht passen. Dafür soll an einem Beispiels gezeigt werden,
wie die praktische Verwendbarkeit des Itinerariums durch Salamon
ad absurdum geführt wird.

Wir müssen von den Verfassern des Itinerariums entschieden
voraussetzen, dass sie über das Wenige, was sie den Reisenden
boten, ebenso gute und verlässliche Auskunft geben wollten und
konnten, wie sie der heutige Eisenbahnreisende von seinem „Courier"
verlangen darf. Diesen Erwartungen hätte das Buch „des Antoninus"
nun nicht entsprochen, falls wir Salamon's Combination acceptiren.
Davon überzeugen wir uns sofort, wenn wir den auf der Binnen-
strasse Reisenden verfolgen. Er soll nicht von Mursa, sondern von
Vindobona, dem heutigen Wien, ausgehen. Sein Ziel ist Lugio,
oder nach Salamon's Auffassung Paks. Unser Reisender kommt
mit seinem Itinerarium ohne Anstand nach Bicske und nach Märton-
väsär. Darüber hinaus trifft er auf eine Wegtheilung. Da könnte
er nach Ercsi und so auf die Donauuferstrasse gelangen , welche
ihn direct nach Paks führen würde. Da ihn aber sein Buch hier
nicht auf Lugio, sondern auf Matrica aufmerksam macht, so eilt
er weiter, bis er einige Milliarien hinter Säskeresztur eine zweite
Seitenstrasse erreicht. Diese würde ihn gleichfalls an die Ufer-
strasse führen und das wäre der eigentliche Weg desjenigen, der
nach Paks will. Aber das Itinerarium macht ihn auch hier nicht
d;irauf aufmerksam, sondern sagt nur, dass die Seitenstrasse nach
Intercisa führt. Darum eilt er weiter auf das angebliche Lussuniuni
zu, nach Vajta oder Palfa. Wie er dann 5—6 Milliarien weiter
südlich kommt, denkt er gar nicht, da sein Buch keine Landkarte
ist, dass er sich auf demselben Breitengrade wie Paks befindet.
Das Itinerarium macht ihn darauf nicht aufmerksam, und so
versäumt er es, den Feldweg zu benützen, der ihn von hier vielleicht
in schnurgerader Richtung nach Paks führt. Er muss nach der
Reihenfolge des Itinerariums glauben , dass Lugio noch sehr weit
ist und darin täuscht er sich anscheinend auch nicht; denn es
dauert noch sehr lange, bis er ans Ziel kommt. Er erreicht Kömlöd,
Medina, Bonyhäd. Ehe er an letzteren Ort gelangt, zeigt ihm sein
Buch an, dass er auf dem dort befindlichen Seitenwege nach
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