Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 135
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1887/0153
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
135

Szegszard und Tolna, d. i. Alisca und Altaripa, kommen kann.
Doch sein Ziel ist Lugio und deshalb lenkt er auch hier nicht von
der grossen Strasse ab und eilt weiter in südlicher Richtung. Er
kommt über P6csvärad hinaus und erst als er Szederköny erreicht,
macht er Halt, um von der grossen via strata Abschied zu nehmen.
Szederke^ry ist nämlich der Punkt, wo das Itinerarium nach Sala-
mon's Lesung durch ein „in rnedio Lugione" darauf aufmerksam
macht, dass er die Nebenstrasse einschlagen muss. Er biegt gegen
Mohäcs ein und, sich gegen Norden wendend, steuert er durch
Bata, Szekcsö, Bätaszek und Tolna auf Paks zu, d. h. er macht
m umgekehrter Richtung auf der Provinzialstrasse dieselben vielen
Meilen, welche er auf der Reichsstrasse ganz überflüssiger Weise
zurückgelegt hat. Er ist so ziemlich hundert römische Meilen weiter
gegangen, als nöthig gewesen wäre. Dieses einzige Beispiel wirft
Salamon's Combination einer Binnenstrasse und seine Bestimmungen
über den Haufen; es zeigt aber auch, wie sehr wir von der Wahr-
heit abweichen können, wenn wir der Phantasie zu freien Flug
gestatten.

Salamon führt seine Hypothese weiterhin dazu, die Strasse
des Itinerars: ab Aquinco Crumero quae castra constituta sunt (42 Mil-
len lang), da sie an die Donau zu verlegen ihm nicht räthlich
erscheint, mit der Vörösvärer Strasse zu identificiren, wo doch das
Terrain keine strategische Bedeutung besitzt und obendrein sich
keine Spuren von Castra finden. Hingegen stossen wir auf solche,
wenn wir von Aquincum am Donauufer aufwärts gehen, und es ist
also nicht einzusehen, warum die dieselben verbindende Strasse
nicht als Fortsetzung der Uferlinie Taurunum—Aquincum angesehen
werden soll. Weiterhin kommt Salamon, da er die Uferstrasse als
Hauptlinie nicht gelten lassen will, arg ins Gedränge mit dem un-
abweislichen Gedanken, dass der grosse Donaustrom eine wichtige
Handels- und Verkehrslinie war und ganz besonders der Grenz-
vertheidigung diente, und darum auch der Verkehr längs ihrem
Laufe, also auf der genügend bezeugten Uferstrasse, ein lebhafter
sein musste.

5. Stellen wir uns nun die Binnenstrasse vor, deren Existenz
Salamon behauptet, ohne indess, um auch dies noch zu bemerken,
irgend einen Anhaltspunkt für diese Annahme in irgend welchen
baulichen Resten oder Meilensteinen finden zu können. Wir sehen,
dass sie zwar von Essegg angefangen bis hinauf nach Norieum im
Grossen und Ganzen der Richtung des Donaulaufes folgt, aber
loading ...