Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 136
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nicht genau am Ufer des Flusses, sondern einige Meilen davon
entfernt im Innern der Provinz läuft und mithin den volkreichen
Städten und Festungen des Donauufers ausweicht, mit denen sie
bloss durch Seitenwege verbunden ist. Wir fragen, hat eine solche
Führung der Strasse Zweck und Sinn? Es Hessen sich hiefiir nur
zwei Gründe denken: 1. Die Römer wünschten eine Strasse zu
bauen, die kürzer war als die am Donauufer und schneller durch
das Land hindurchführte; oder 2. Das Terrain war für den Bau
der grossen Strasse im Innern der Provinz günstiger als am Fluss-
ufer. Beide Gründe würden eine hinreichende Erklärung geben,
aber in Wahrheit gilt hier keiner von beiden. Salamon selbst gibt
zu, dass seine Binnenstrasse in einer Krümmung nach Westeuropa
führt. Faktisch ist sie eben so lang, wie die Donauuferstrasse
selbst, denn sie nimmt alle Milliarien-Masse in Anspruch, welche
das Itinerarium für die Uferstrasse verzeichnet und zeigt daher
nicht eine gerade Linie, sondern grosse Krümmungen. Und doch
sind diese durch das Terrain, welches die Strasse durchzieht, durch-
aus nicht bedingt. Die Körner hätten gewiss diese Strasse eben so
gerade angelegt, wie es von ihren übrigen Strassen bekannt ist,
und sich von der geraden Richtung nicht abbringen lassen, selbst
wenn bedeutende Hindernisse im Wege gestanden wären. Hatte sie
nämlich den Zweck, ohne Rücksicht auf die Städte so schnell als
möglich aus dem Lande hinauszuführen, dann gab es für die Römer
keinen Grund, vor oro- oder hydrographischen Schwierigkeiten
zurückzuschrecken. Aber ihre Krümmung ist nicht durch physische
Hindernisse verursacht, sondern dadurch, dass Salamon gezwungen
war, die Masse des Itinerariurns auf dem Terrain zu placiren. Bei
einem geraden Laufe der Strasse wäre dies unmöglich gewesen,
der krumme Weg aber, der nun entstanden ist, führt nicht schneller
durch Pannonien, als die Donauuferstrasse. Ja, noch mehr. Könnten
wir die Strasse auch ganz gerade ziehen, so würde dies doch nicht
ihre auf die Städte keine Rücksicht nehmende Richtung rechtfer-
tigen. Denn obwohl sie ein wenig kürzer wäre, als die Donau-
uferstrasse, so hätte sie dem Zwecke der Erbauung auch so nicht
entsprochen. Wäre der Kaufmann oder der Beamte, Kaiser oder
General, den sein Geschäft oder Amt aus London, Paris, Strass-
burg plötzlich nach Byzanz rief, auf Salamon's Binnenstrasse ge-
reist? Ohne Zweifel hätte er, falls er nicht sonst in Pannonien zu
thun hatte, die grosse Strassenlinie längs der Drau oder Save als
die kürzeste gewählt. Der christliche Pilger, der von Bordeaux
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