Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 139
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1887/0157
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
139

erreichten sie viel passender und zweckmässiger durch die Fttnf-
kirchen-Altszönyer und noch mehr durch die Fünfkirchen-Raaber
Strasse. Diese, vom Gesichtspunkte des lokalen Verkehres und
Interesses erbaut, waren nicht für internationale Zwecke geplant
und fanden die Rechtfertigung ihres Bestandes darin, dass sie Arra-
bona und Brigetio, bei Berührung der Zwischenstationen, auf den
kürzesten Linien mit Sopianae verbanden Der Binnenstrasse Sala-
nions kann man weder internationales, noch locales Interesse zu-
schreiben. Internationales nicht, da sie keine Radial-, sondern eine
sehr gewundene Ausweich-Strasse war; locales nicht, da sie nicht
m die Städte und Ortschaften, nicht einmal in die bedeutendsten,
einkehrte. Die Römer hätten sie also ganz und gar ohne Grund
gebaut. Die Strasse ist so beschaffen, dass sie alles eher beweist,
a's dass ihr Erbauer mit den Verhältnissen und seinem Capital
klug zu rechnen verstand. Jede römische Strasse repräsentirte in
ihrer Herstellung und Erhaltung ein grosses Grundcapital. Die
Römer selbst betrachteten sie als monumentales Werk, sonst hätten
die strassenbauenden Kaiser nicht daran gedacht, den Ruhm ihres
Namens und des vollendeten Werkes in Stein graben zu lassen.
Salamon meint, dass im Allgemeinen jede römische Strasse, was
den Unterbau betrifft, kaum weniger hoch zu stehen kam, als die
heutigen Eisenbahnen. Den Preis der Schienen wog das harte
Steinpflaster auf, welches die prächtige Füllung deckte. Erdarbeit,
Brücken, Dämme, Einschnitte — selbst in Felsen — gab es gleicher-
weise. An dieser Behauptung lässt sich factisch nicht viel rütteln;
S]e ist vielmehr vollkommen richtig, wenn man die römischen Strassen
zu den heutigen Arbeitspreisen bauen müsste. Da würden die
Kosten des römischen Strassenbaues den durchschnittlichen Kosten
des heutigen Eisenbahnbaues in jeder Hinsicht gleichkommen. Die
Römer arbeiteten freilich nicht mit Taglöhnern. sondern mit ihren
aus Bundesgenossen und Bürgern gebildeten Truppen, wie dies
Pannonische Inschriften auch für Ungarn beweisen. Dies vermin-
derte die Ausgaben, doch lange nicht in dem Grade, dass die
Römer sich leichtfertig auf eine solche Anlage eingelassen hätten.
Neben der wohlfeileren Arbeitskraft gab es noch immer schwere
Auslagen, so für die Beschaffung des Materials, dessen Bearbeitung,
die Erhaltung der Arbeiter und des Zugviehes/Dazu kommt auch
"och die Erhaltung der fertigen Strasse selbst. Die Kosten für
letztere wurden reichlich gedeckt bei Strassen, auf denen der Ver-
kehr gross war. Da konnte sogar über die Conservirungskosten
loading ...