Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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und in gleicher Weise zu erklären, also sie auf Baulichkeiten, An-
lagen, Gewässer, Felsen und andere Gegenstände zu beziehen, die
ungefähr mitten zwischen zwei Stationen am Wege zu bemerken
waren, oder zwischen denen jene Station gelegen war. Ad rubras
der Tab. Peut. u. s.; das bei Prima Porta gelegen ist, ist bekannt-
lich so viel als ad rubras rupes, saxa rubra; ad pictas des Itin.
umschreibt Strabo 5, 3, 9 (p. 237 C.) mit ITikt&c; Travooxeia, also
ad pictas tabernas; zahlreich genug sind die Orte ad novas {tabernas
u. ä.) u. s. w. Meines Erachtens hat daher Mommsen mit richtigem
Takt den Namen der dacischen Station ad mediam (heute Mehadia)
von ihrer Lage zwischen dem Donaustrom und den nahen Gebirgs-
pässen abgeleitet (C. I. L. III, p. 248) , und ähnliches scheint mir
bei den obengenannten Fällen vorzuliegenG).

Nichts berechtigt uns, glaube ich, zu der Vermuthung, dass
die Worte in medio eine freilich undeutliche Bezeichnung für ein
besonderes Rechts- oder militärisches Verhältniss u. ä. bilden können;
schon dass neben den vielen als in medio gelegen bezeichneten
Orten Alisca ad latus angeführt wird, welche Worte man doch
schlechterdings nicht in ähnlicher Weise wie jene zu deuten ver-
mag, sollte warnen7). Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass,
wenn es sich um ein anderes antikes Schriftwerk als das in Rede
stehende handelte, man die Spuren einer erneuten Bearbeitung hier
würde finden wollen. Man hält indess das Itinerar für ein amtliches
Schriftstück, das gleichsam in einem Gusse hergestellt und im
Ganzen trefflich erhalten sei. Und dieser Glaube ist doch noch durch
keine genauere Erwägung bestätigt worden. Denn fürs erste ist der

a) Nach Abdruck dieser Zeilen ist eine (allerdings lange nicht erschöpfende)
Zusammenstellung und Sichtung der mit dem Beisatze ad verbundenen Stations-
namen der Itinerarien von K. Miller, die Weltkarte des Castorius (Ravensburg
1888) S. 103 ff. gegeben worden. Miller sieht in diesen Stationen solche, 'welche
erst neu entstanden sind, insbesondere an den grossen Verkehrsstrassen, weshalb
fast immer der Ursprung des Namens noch nachweisbar ist'. Diese Bemerkung
wird man wohl im Ganzen und Grossen billigen, wenn man auch Einzelheiten
ihrer Begründung nicht gutheissen darf, wie wenn z. B. der Namen ad. septem
fratres (It. Ant. 9, 3. Rav. 163, 1) statt auf die bekannte Berggruppe, an deren
Fuss sie lag, auf ein Wirtshausschild' bezogen wird. Auch ist es ganz gut denkbar,
dass manche dieser Orte als kleine Ansiedlungen ohne städtischen Charakter, be-
nannt nach einer hervorragenden Baulichkeit u. dgl., lange vor dem Bau der Strasse,
die später an ihnen vorbeizog, entstanden waren oder zugleich mit ihr entstanden sind.

;) Eine Station ad novas et aureo monte ist obendrein sowohl ohne Millien-
zahl als ohne den Zusatz in medio geblieben.
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