Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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gegenwärtige Zustand des Itinerars ein trauriger. Ich spreche nicht
von den Zahlenverderbnissen, nicht von den Namensverunstaltungen,
auch nicht von den vielen Lücken, ich betone bloss, dass sich zahl-
reiche Ergänzungen, Zusätze und Detaillirungen späteren Ursprungs,
von denen sich die anerkannt beste Handschrift auch nicht immer
frei erhalten hat, unschwer nachweisen lassen, und dass für West-
afrika die Angaben der Rechtsstellung der einzelnen Städte (Colonie,
Municipium, Vicus8) u. s. f.) ziemlich regelmässig wiederkehren, in
•Jen anderen Ländern fast gar nicht erscheinen, welchen merkwür-
digen Zustand des Textes man doch ebensowenig für einen gün-
stigen und auf treffender Unterscheidung besonderer Verhältnisse
beruhenden wird erklären wollen, als es jemandem einfallen wird,
aus der Unvollständigkeit in der Aufzählung der Standorte römi-
scher Heerestheile sachliche Schlüsse zu ziehen. Fürs zweite ist
die Verwandtschaft des Itinerars, der peutingerschen Tafel und der
ravennatischen Erdbeschreibung zu gross und dies zum Theil nicht
im besten Sinne, wie z. B. bei der Behandlung der Städte von
Westafrika gegenüber dem übrigen Reiche, als dass man nicht den
Ursprung aus einer gemeinschaftlichen Vorlage, doch wohl einer
Karte, annehmen müsste. Endlich ist das Itinerar, in dem dieselbe
Strasse mitunter ganz wiederholt oder mit einem grossen Stücke
drei-, vier-, ja fünfmal zur Behandlung kommt, höchstens noch für
einen privaten Ausschreiber einer Karte gut genug. Eine amtliche
Arbeit, die auf den amtlichen Aufzeichnungen über die römischen
Reichsstrassen fusste, konnte nicht so kläglich ausfallen. — Ich
sehe überdies nach dem Gesagten nicht ein, weshalb ich die in
medio-Ovte des pannonischen Landes nicht als spätere Zuthat eines
Mannes betrachten dürfte, der die Entfernungen der von ihm einge-
schalteten Orte nicht genau anzugeben wusste9).

s) Die Fälle, in denen in den Itinerarien vicus u. a. vor einem Genetiv oder
fiiner adjectivischen Form eines Eigennamens als Theil des Namens gebraucht
erscheint, dürfen nicht hiehergezogen werden.

'■') Er befand sieh, glaube ich, in derselben Lage, wie z. B. der sogenannte
Skylax von Karyanda, der bei der Verarbeitung ungleichmässig gearteter Vorlagen
gleichfalls vielfach nur durch ein kv tüj nerjui u. ä. die Lage von Oertlichkeiten
bezeichnen konnte, statt die Entfernungen genau anzugeben; so ist nach ihm c. 6
Korsika von Tyrrhenia l'/j Tagfalirten entfernt, Kai vf)0"oe; kv ixiow Tili tt\w toutw
o'Kouudvn, rj övoua Ai6a\ia; c. 7 Korsika — Sardinien '/s Tagfahrt, Kai vfjooi;
^P'lM'l iv tü) f.i£Ta£u; c. 67 Paktye — Kardia biet toü aüxevo; neZr] öTaoia n',
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