Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 150
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hat, würde sich vielleicht verlohnen; an den vorhandenen ältesten
Steinsculpturen von grösseren Dimensionen zu verfolgen ; der Hinweis
auf den auf der Schwesterinsel Naxos erhaltenen, über 10 Meter
hohen Monolith, in welchem Ross 15) das wegen mehrerer Risse im
Marmor unvollendet gebliebene ursprüngliche Exemplar des nach
Delos gestifteten Apollonkolosses16) erblickte, liegt dabei beson-
ders nahe.

Ein Ausflug zu den auf der Ostseite der Insel gelegenen
Kdxai xwp1«17) führte mich an dem Dorfe Kostös18), wo mir in
einen Steinzaun eingebaut eine weibliche Statue (S. 165) gezeigt
wurde, und weiterhin an einem zu Tage liegenden Marmorbruch
vorbei, dessen kaum begonnene Ausbeutung nach dem Tode des
Unternehmers wieder ins Stocken geraten ist. Von den KctTU)
Xwpicc bot mir das erste, Tragulas, nichts, das zweite, Marmara,
ausser einer bereits bekannten Inschrift nur geringe Fragmente.
Doch lohnte den Ausflug das altertümliche Relief einer Gorgo
(Taf. V, 2), das sich nach längerem Suchen, mit einer dichten
Schmutzkruste bedeckt, in dem Winkel einer Oelpresse in Tschi-
pidi (eic; touc; Knmbouq) fand, und das mit der im Anhang mitge-
teilten, wenngleich jüngeren Inschrift für das Alter der an jener
Stelle vorauszusetzenden antiken Ansiedlungia) in Betracht kömmt.
Zwei kleine Marmorfiguren, die ein „Engländer" nicht lange vorher
daselbst erworben haben soll, gehörten vielleicht jener primitiven
Inselkunst an, von welcher gleich unten auf S. 152 die Rede ist.

Zufolge einer unterwegs erhaltenen, freilich recht unbestimmten
Angabe, die mir indess auf ein archaisches Bildwerk zu deuten
schien, suchte ich endlich die weiter südlich an der Ostküste be-
findliche Gegend Dräko auf. Eine Viertelstunde südlieh von dem
dort befindlichen Brunnen Assomato steht, in eine Felshöhle eingebaut,
das Kirchlein des H. Ioannis Spiläos"0), an dessen Eingang rechts

lS) Inselreisen I S. 40.

") Vgl. Köhl, inscr. gr. antiquiss. Nr. 409; Furtwängler, Arch. Ztg. 1882

S. 331.

") Boss, Inselreisen I S. 51.

18) Leake a. a. O. S. 92; Ross, Inselreisen I S. 52.
ls) Bursian a. a. O. S. 488.

J0) Die Legende, nach welcher der Heilige einen in der Höhle hausende»
Drachen vertrieben haben und nach dessen Tödtung durch den Erzengel aus dem
Blute der Brunnen entstanden sein soll, erklärt die angeführten Namen.
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