Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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und nur in der perspectivischen Hintereinanderstellung der Unter-
schenkel ist eine mehr als primitive Auffassung zu erkennen. Weit
grössere Gewandtheit zeigt der Künstler in den sicher gezeichneten
geometrischen Linien des Stuhles34), wenn auch bei der ganz
flachen Reliefbehandlung hier der Gedanke an die unmittelbaren
Traditionen der Holzschnitzkunst nicht so nahe gelegt wird, wie bei
den analogen spartanischen Stelen. — H. 0-58, Br. 0-415, D. 0i65.

Die Skizze Taf. V, 2 reproduciert das bereits zu Eingang
(S. 150) erwähnte Gorgonenrelief im Besitze des Dimitrios Patellis
zu Tschipidi. Der Stein (H. 0-62, Br. 0-385, D. 0-25) lag zum
Glücke mit dem Bildfelde (0*54 X 0'34) nach abwärts, so dass hier
die Schmutz- und Fettkruste verhältnismässig dünn war; auf den
anderen, namentlich den seitlichen Flächen leistete sie der Wa-
schung beharrlichen Widerstand. Das Loch auf der oberen Fläche
bezeichnete der Besitzer selbst als modern, rückwärts ist der Stein
ausgehöhlt; dass dies so antik sei, schien mir nicht unmöglich. Das
Bild, wie es nach der Reinigung zum Vorschein kam, wirkte bei-
nahe ebenso durch den Contrast der Verwitterungstöne, wie durch
sein Relief, das fast nur durch sehr geringe Abarbeitung des
Grundes um die Silhouette der flachen Figur hergestellt ist. Die
meisten Details waren offenbar bloss der Malerei überlassen, welcher
und dies scheint mir nicht allein in diesem Falle die richtige
Formulierung des Verhältnisses zu sein — das massige Relief nur
z» Hilfe kam. Die Flügelgestalt, die in dem bekannten Schema
laufend dargestellt ist35), trägt einen eher kurz zu nennenden Rock,
welcher sich dem Umriss des Körpers vollständig anschliesst und
nur mit dem vom 1. Oberschenkel herabkommenden Saume und
den Falten zwischen den Beinen selbständig hervortritt36). Der
vorn geknüpfte Gürtel ist nicht sicher als Schlange zu erkennen,
wie eine solche jederseits von der Hand gehalten ihren Schweif
um die Unterarme schlingt. Die Innenzeichnung der Brust37) sowie
die heraushängende Zunge und der eine Zahn gründen sich nur

3 I) Nur eine Weitergestaltung der hier erscheinenden Form der umgebogenen
Stuhllehne sind meiner Ansicht nach die anderwärts (Francoisvase, Harpyien-
fflonument) vorkommenden Schwanenköpfe.

35) Vgl. Furtwängler in Roschers Lexikon der Mythologie S. 1709 ff.

36) Ein ähnlicher, aber weitergehender Vermittlungsversuch in der Gewand-
behandlung der Figuren rechts von Hermes und links von Apollon auf dem thasi-
Schen Nymphenrelief.

31) Zur Bildung wäre Benndorf, Metopen von Selinunt S. 44 zu vergleichen.
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