Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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gewand, bei dessen complicierter Anlegung anscheinend der wieder-
holte Wechsel in der nach aussen gekehrten Seite des Stoffes eine
Rolle spielt. Auf der Rückseite streicht es in schrägen Falten, die
nur an der 1. Schulter von einem übergeworfenen Zipfel verdeckt
sind, nach 1. hinauf und ist auch über die r. Schulter nach vorn
gelegt, wo es dem darin wie in einer Binde ruhenden r. Arm zur
Stütze dient. Um diesen einmal herumgewickelt, geht es zur 1.
Schulter und, mit etwas zurückgeschlagenem Saum über diese und
den gesenkten 1. Arm geworfen, über den Rücken hinab, dort
•n den erwähnten mit zwei Fransen geschmückten Zipfel endend.
Zu demselben vom r. Unterarm zur 1. Schulter gehenden Streifen
leiten zugleich von beiden Hüften aus kleine Faltenzüge, die sich
etwa vor der Mitte der Brust in spitzem Winkel begegnen und
hier also einen herzförmigen Ausschnitt bilden, unter welchem das
Gewand in einheitlicher Fläche schräg nach abwärts zieht, um
rückwärts in die ersterwähnte Fläche überzugehen. Das Hinter-
haupt blieb frei. Die wol fleissige, aber trockene und einförmige
Arbeit des Gewandes weist auf späte Zeit hin; Halsgrube und
Schlüsselbein sind einfach eingeschnitten.

Auf der Mauer über dem Tore des Hauses des Stavros Minda
sah ich eine kopflose weibliche Doppelfigur unter Lebensgrösse
aufgestellt. Dieselbe besteht aus zwei, mit dem Rücken dicht an-
e'Qandergelehnten, r. und 1. in spitzwinkeligem Einschnitt ausein-
andergehenden Einzelfiguren in hochgegürtetem Gewand mit Ueber-
fall; die untere Gewandpartie wird durch eine senkrechte Mittel-
falte in zwei Hälften geteilt, in deren jeder die Falten symmetrisch
der Stelle zustreben, wo das Kleid von den gesenkten (grösstenteils
fehlenden) Armen gefasst und aufgehoben wird. — Stark ver-
bittert.

Die in Kostos auf dem Acker der Kalliopi, Frau des Ioannis
Nikiphorakis, gefundene weibliche stehende Figur (S, 150) trägt
ejn hochgegürtetes, auf beiden Schultern geheftetes Gewand mit
langem Ueberfall. Der Kopf und anscheinend auch die Arme waren
einzusetzen; von dem Haar ist rückwärts noch der untere Teil des
hreiten Schopfes erhalten. Auf der Vorderseite, welche sich weiterer
Untersuchung entzog, da sie der Wand zugekehrt ist, geht ein
Band schräg abwärts unter die 1. Brust. — Scheint ziemlich ge-
wöhnliche Arbeit. H. noch 1'055.

Gering und meist stark zerstört sind: Ein weiblicher Torso
Dei Andreas Psarakis (H. 0-37); gegürtetes Untergewand, Oberge-
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