Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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wand um den Unterkörper geschlungen und über den V. Arm ge-
worfen, der gesenkte r. Unterarm anscheinend anzusetzen. Rück-
seite fast unbearbeitet. — Ein weibliches Rumpffragment bei Ioannis
Vitzaras (H. noch O30). — Ein reifmännlicher Torso beim Arzt
Papavassilios (H. noch 064) ist von den Hüften abwärts mit Hi-
mation bekleidet, von dem ein Zipfel vorn von der r. Schulter
herabhängt. L. Standbein; Kopf, Unterschenkel und beide Arme,
deren r. gehoben war, fehlen. Seitwärts am r. Knie Ansatz für eine
Stütze. — Ein anderer kleinerer bei Petros Mostratos (H. 013) mit
den r. Oberkörper freilassendem Gewände war anscheinend 1. auf
einen Stab gestützt (Asklepios?). — Eine männliche Figur auf
Plinthe im „Typus"62) bei Herrn Russos, 1. Standbein, ohne Kopf
H. 0-21.

Die Statuette einer sitzenden (weiblichen?) Figur, die mir
gezeigt wurde, war leider zu zerstört, um eine Entscheidung
über ihr Alter zu gestatten. Altertümlich gemahnt die Art des
Sitzens mit steif aufgerichtetem Oberkörper und aneinanderge-
schlossenen Beinen, auch hüllt das die r. Schulter und Brust frei
lassende Gewand die Figur dicht ein. Doch stimmt dessen Falten-
gebung mit jenem Eindrucke kaum. Kopf und r. Arm fehlen, vom
gesenkten 1. ist nur ein Stumpf geblieben. Ungewöhnlich ist auch
die Form des Sitzes: ein Cubus, von dem oben an der Sitzfläche
zu beiden Seiten eine dicke Leiste, rückwärts eine ebenso aus-
ladende Lehne vorspringt. Letztere, oben geradlinig abgeschlossen,
ist nur sehr niedrig, doch reicht ihr wie eine stumpfe Lanzenspitze
geformter mittlerer Teil noch etwa bis zu Schulterhöhe. — H. noch
0-18, Br. 0-115.

Ein weibliches Köpfchen bei Flerrn A. Damias (H. 0' 13,
Gesichtslänge 0"075), welches, wenn auch stark Verstössen und
namentlich im Haar ziemlich skizzenhaft angelegt, von guter
Arbeit ist, gehört in der Bildung des Gesichtes dem etwa durch
die Venus von Milo zu kennzeichnenden Typus an. Um das
gescheitelte Haar geht vorn ein Band, welches seitwärts von der
über Schläfen und obere Hälfte der Ohren zu dem Nest nach rück-
wärts gestrichenen Haarpartie verdeckt ist. Die Mundwinkel sind
ein wenig herabgezogen, der Kopf scheint etwas zur 1. Seite ge-
neigt gewesen zu sein. Nase, Kinn und 1. Augenknochen sind ab-
gestossen. — Ziemlich ähnlich, nur ohne Band in dem gleichfalls

'■) Vgl. v. Sybel, Sculpturen zu Athen S. XIX.
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