Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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nur flüchtig angelegten Haar03), ist ein viel kleineres Köpfchen bei
Michail Protolakis. — Stark zerstört ist ein weibliches Köpfchen
mit Diadem, bei Herrn Russos (H. 0-16).

Ein lockiges Knabenköpfchen mit abgebrochenem Halse bei
Herrn A. Damias (H. 0-15) ist nicht ohne Ausdruck, wenn auch
etwas flüchtig und flau. An dem Munde und der 1. Wange an-
setzende, schräg verlaufende Bruchspuren scheinen von den ver-
einigt zum Munde gehaltenen Fingern einer Hand'14), möglicher-
weise auch von einer Syrinx herzurühren. Das runde Gesicht ist
poliert, Nasenspitze, Kinn und 1. Augenknochen bestossen, die 1.
Seite des Kopfes oben schräg abgeschnitten.

Von den übrigen Statuettenköpfchen gehören zwei Jüng-
lin gen anscheinend älterer Typen an. Das eine, unten mit Einsatz-
zapfen, bei Herrn Russos (H. 0"06), hat gewölbten Schädel, ovales
Gesicht, ziemlich niedrige Stirn, voll und rund ansetzende Wangen,
breites Kinn, kräftigen Nacken. Das andere, unten mit Stiftloch,
bei Herrn Michail Deilagrammati (H. 0'06), ist zu stark zerstört, um
mehr als die gewölbte Schädelform mit dicht anliegendem Haar,
die dreieckige, schwach vorschwellende Stirn, den kurzen Mund
und das nicht zu schmale und kurze Kinn entnehmen zu lassen. —
Bei Herrn Nikolaos Dellagrammati sah ich ein unten gebrochenes,
hinten glattes Köpfchen eines unbärtigen Herakles mit über den
Kopf gezogenem Löwenfell (H. O035); bei G. Mahonis ein wenig
ausgeführtes bärtiges Köpfchen mit Binde (oder Reif?) im Haar.

Mehrere kleine Fragmente von Statuen und Statuetten, Tier-
krallen, Simen mit Löwenköpfen als Wasserspeier etc. seien nur
summarisch angeführt65).

Das Nymphenrelief66) des Adamas, von dessen Beschädi-
gung bereits die Rede war (S. 149), befindet sich im zweiten

e3) In demselben sitzt noch vielfach rote Farbe.

6I) Dies war meine Vermutung vor dem Originale. Von den Ohren notierte
ich keine ungewöhnliche Bildung, das linke sieht auf meiner Skizze etwas in die
Länge gezogen aus.

°6) Davon mag der Unterschenkel einer Kolossalfigur bei Barozzi (H. 0-50)
deswegen hervorgehoben werden, weil der Besitzer angab, derselbe habe zu einem
grossen Bildwerke: zwei Kinder, die sich umarmt hielten, und eine weibliche Figur
mit Schwert, gehört. Falls dieser Angabe überhaupt etwas Tatsächliches zu Grunde
liegt, dürfte sie sich auf einen Medeasarkophag beziehen. — Eine in den Stein-
brüchen gefundene unvollendete Statue (H. 1-30, beide Arme wagrecht vor der Brust)
war mir, da der Schlüssel zu dem betreffenden Magazin fehlte, nicht zugänglich

66) Vgl. auch die Inschrift Krispis, Mou0€iov II 2. 3 S. 6 n. pit&'.
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