Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 170
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lehne vorstellt, ist unsicher. Die eben erwähnte weibliche Figur
hat gegürtetes Gewand mit Ueberfall, das r. Bein tritt daraus
nicht hervor. — In der oberen Reihe erschien der Kopf ganz 1.
mit auf die Schultern fallendem Schleier (Gaia: Furtwängler) auch
mir weiblich. An der (als Silen erklärten) hockenden Figur da-
neben ist das Gesicht zerstört, doch Haar und Bart als lang zu
erkennen; mir schien der 1. Unterarm, mit geöffneter Hand schräg
aufgerichtet, mit dem Ellbogen auf dem 1. Knie aufgestützt. Von der
Gruppe weiter r., welche durch ihre lebhafte Action gegenüber
der sonstigen ruhigen Nebeneinanderstellung auffällt, ergab sich
mir nur die mittlere Figur als bestimmt weiblich; für sie wie für
die 1. von ihr befindliche männliche trifft die Abbildung im Ganzen
zu. Die dritte r. hielt ich für männlich, und zwar schien mir, was
freilich unsicher ist, ein Teil des vorn herabhängenden Gewandes
ihr als Chlamys zu gehören, ein runder Gegenstand an ihrem Rücken
ein Petasos zu sein, sie selber den Arm um den Rücken der Mittel-
figur zu schlingen. Zu dem Achelooskopfe gehören zwei tierische
Beine in Vorderansicht73); auch Pan hat Bocksbeine, sein r. Ober-
schenkel, 1. Unterarm mit Syrinx, Gesicht und 1. Horn sind be-
stossen. Was r. von ihm im oberen Streifen angebracht war, sah
ich auf dem losgelösten Stück unter der Tünche ganz undeutlich
wie ein en face gestelltes halbtierisches oder auf die Arme ge-
stütztes Wesen mit Flügeln (vielleicht nur Gewand, wie bei Pan)-
— Von den sehr zerstörten adorierenden Figuren ist die vor-
derste 1. weiblich mit hinten hinabhängender Flechte (?), die L-
unter dem Gewand; ebenso die knieende Figur weiblich (mit Haar-
nest); die drei ersten der hinteren Reihe männlich, die kleinere an
vierter Stelle weiblich. Unsicher ist das Geschlecht der zwei letzten
r. Von dem Löwen ist nur noch in Umrissen der Vorderleib vor-
handen, der aber auch einem grossen Hunde angehören könnte. —
Die Inschrift hat in meiner Skizze keine Umrahmung.

Von sonstigen Votivreliefs bemerkte ich nur ein spätes,
allseitig fragmentiertes, an Asklepios, mit dem unteren Stück eines
Unterschenkels nach 1., darunter die Inschrift 'AOnvcaov V S. 32
n. 23.

™) So zeichnete auch Schaubert (Michaelis S. 328). Furtwängler a. a. 0.
XXVII. XXVIII, 4 kann mit dem von ihm gesehenen „vor der Acheloosmaske
aufgestellten Tisch" (vgl. Samml. Sabouroff Tai'. XXVII) kaum etwas Anderes als
diese Vorderbeine meinen.
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