Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 172
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Ausführung. Links sitzt auf einem Stuhl mit geschweiften Beinen eine
Figur im Profil nach r. (der Oberkörper fehlt), die Füsse (der fi
zurückgesetzt) auf einem Schemel; unter dem bis an die Knöchel
reichenden Himation mit guter Faltenbehandlung ist kein Unter-
gewand zu sehen. Wahrscheinlich durch Händedruck mit ihr ver-
bunden war die in Vorderansicht die Mitte einnehmende Figur (nur
untere Hälfte) mit um die Hüften geschlungenem und an der L
Seite hinabfallendem Obergewand, das anscheinend von der L. ge"
fasst war. Vor dem Stuhl steht en face eine kleine weibliche Ge-
stalt in langem, gegürtetem ärmellosen Chiton, die R. gesenkt, die
im Ellbogen gebeugte Linke zu dem (bestossenen) Gesicht gehoben;
nur wenig grösser ist eine andere in wartender Haltung der Mitte
zugekehrte Dienerin ganz rechts, in Chiton mit Ueberfall, das r-
Bein vorgesetzt, mit der vor dem Körper gesenkten Rechten die
Linke am Handgelenk fassend; Brust und Ii Oberarm sind be-
sessen. — H. noch 0-28, L. noch 0-65, D. 018.

Auch eine bei Dimitrios Zaphyropulos befindliche Stele mit
Einsatzzapfen, deren oberer Teil mit dem Kopfe der Hauptfigur
fehlt, scheint trotz der starken Verscheuerung der Oberfläche zu
den besseren ihrer Art zu gehören. Die Darstellung selbst unter-
scheidet sich nicht erheblich von der des Sarkophages B, Nr. 2
(Taf. VIII): nur entspricht die Anordnung des Gewandes mehr
dem Brauche einer besseren Zeit, unter der Kline liegt nichts, \
von dem flachen langen Untersatz, auf dem die Füsse ruhen, steht
ein unbenutzter eigentlicher Schemel, die Dienerin erscheint mehr
vom Rücken gesehen. Die dem gegenüberstehende Uebereinstiru-
mung selbst in untergeordneten Details, die sich ebenso durch eine
Reihe anderer Repliken verschiedenen Fundortes verfolgen lässt,
macht diesen Typus zu einem guten Beispiel für die der Massen-
production jener Inselgrabreliefs überhaupt zu Grunde liegenden Ver-
hältnisse. — H. noch 0-32, L. 0-34, D. 0-05.

Im Laden des Nikolaos Cigalla fand ich die fragmentierte
Stele mit der unteren Hälfte eines auf einer Schiffsprora nach r.
stürmenden Kriegers in kurzem, zurückflatterndem Chiton vor, der
an der gesenkten L. den runden Schild trägt. Von den nackten
Beinen ist das zurückgesetzte rechte besonders sorgfältig durch-
gearbeitet. Im Felde darunter die Inschrift (== 'A6r|VCU0V V S. 21 f-
n. 8, Kaibel epigr., add. n. 242 a, Moucrelov II 2. 3 S. 2 n. poe'):
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