Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 177
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Stellung auf D, Nr. 2. 3. 4, eine Parallele zu der Monotonie bietet,
welche in den Grabreliefs jener späten Epoche herscht. Nur
in einem Falle (A) ist ausschliessliche Benutzung des Sarko-
phages für Angehörige derselben Familie gesichert; auch bei
D ergibt sich wenigstens für Nr. 4 und 6 der Bezug auf Ge-
schwister. Dagegen ist auf B nicht zu entnehmen, ob und in wel-
chem Verwandtschaftsverhältnis L. Nostius Apollonius (1) zu Epar-
chis, der Tochter des Sostratos und der Archippe und Gattin des
A. Babyllios, steht: auf diese bezieht sich offenbar das Relief
Nr. 2, wonach sich die darunter angebrachte Inschrift MeYicrrci
XpTiaxr| xaipe als eine spätere, übrigens auch anscheinend nicht
einheitliche Hinzufügung darstellt84). Da das Epigramm bis zum
Rande reicht, so sind die zwei ganz geringen Reliefs Nr. 3 und 4
darunter angebracht worden. Wie man neue Bilder, ohne sich
sonderlich um regelmässige Raumfüllung zu kümmern, zu den be-
reits vorhandenen hinzufügte, sowie sich eben der Anlass dazu
ergab, lässt sich mehrfach noch in Einzelheiten verfolgen. So ent-
hielt in C das Relief Nr. 2 ursprünglich nur die Figur des Karpas;
das Bild der Epiteuxis ist später daneben gesetzt und der Rahmen
des Reliefs dafür erweitert worden; dabei gieng man in der Aus-
arbeitung der weiblichen Figur tiefer in den Stein, so dass der
Reliefgrund hinter den beiden Figuren von auffälliger Ungleichheit
ist. Auf D ist das Relief Nr. 5 erst nach der Anbringung von
Nr. 4 und 6 in den Raum zwischen diesen hineingezwängt worden,
wie die enge Schrift und das dem Rande von Nr. 6 ausweichende
N verraten. Vervollständigt wird diese Beobachtung durch die
Löcher, welche meist über den zwei oberen, seltener auch an den
zwei unteren Ecken der Reliefs, bei D, 4 anscheinend an den Enden
der Inschriftzeile angebracht sind, und in welchen mehrfach noch
die antiken Bronzestifte stecken85). Bei dem Relief des Karpas
(C, 2) bezeichnen die beiden Löcher die ursprüngliche Ausdehnung
der eingetieften Fläche, als sie nur das Bild des Mannes enthielt;
von den vier Stiften in C, 4 steckt der eine am Rande des Reliefs
Nr. 3, welches freilich selber so aussieht, als wäre es in den Zwi-
schenraum hineingeflickt worden: jedenfalls ist von der Inschrift
der Epiteuxis ein Teil dem jüngeren Nachbarrelief zum Opfer ge-

84) S. auch noch unten S. 181, Anm. 95.

s5) In letzterem Falle sind dieselben in der Skizze durch Schraffierung aus-
gefüllt.

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