Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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für, wenn ich richtig fasse, Beschädigung von Pflanzungen in einem
heiligen Bezirk; als die mit der Ueberwachung und Ahndung be-
traute Behörde erscheinen Theoren 107). Orthographie und Schrift-
form lassen die Inschrift,os) wol schwerlich später als das fünfte
Jahrhundert ansetzen, ich halte es sogar für möglich, dass sie in
dasselbe ziemlich hinaufreicht, da der Schriftcharakter noch viel
Altertümliches hat109).

Nr. 3 steht auf einer grossen, schön gearbeiteten, viereckigen
Basis bei Nikolaos Montanos, unten mit einfachem Ablauf, oben
in antiker Weise viereckig ausgehöhlt. H. 0515, Br. 073 (Schrift-
feld 0-43 X 0-65), D. 0-56. Leider ist die Inschrift fast ganz zer-
stört; der zweite Buchstabe Z. 2 lässt sich mit ziemlicher Sicher-
heit als + erkennen, vom achtletzten ist nur der Eest der Vertical-
haste vorhanden, der auch nach dem Abstand von 1 wahrscheinlich
t war. Die Ergänzung: 'Aqpp[obvTn t]iuoüxuj, welche ein, soviel ich
sehe, bisher nicht belegtes Epitheton der Göttin enthalten würde,
scheint den Raum nicht ganz zu füllen. — Schrift etwa des zweiten
Jahrh. vor Chr.

Nr. 4 lag vor dem Hause des Nikolaos St. Zumis in die Erde
eingegraben; die Schriftfläche wurde von mir freigemacht. Grosse
Buchstaben (O018 h.) römischer Zeit. — Das Fragment Nr. 5, in dem
den Kapuzinern von Naxos gehörigen Hause nahe der Hekatonta-
pyliani eingemauert (H. 017, L. O30), scheint nach den in ver-
schiedener Grösse und Schrift darauf geschriebenen Namen an einem
öffentlichen Orte (als Bankplatte?) angebracht gewesen zu sein- —
Nr. 6 steht auf einem kleinen profilierten Grabstein (H. O'l^i

,0') Zu den Öeuupoi in Mantineia und Tegea vgl. Gilbert, griech. Staatsaltert'
II S. 328.

los) Dieselbe erinnert mit den fein eingestochenen Buchstaben an Inschr. gr'
Bildh. Nr. 62.

10S) Die Zeilen stehen sehr enge aneinander, der dritte Schenkel des nioh'
zu Boden reichenden n geht bisweilen noch etwas schief, die drei Horizontal-
striche sind in E ganz, in 3: fast gleich lang, das St ist ziemlich klein und WS'*
geöffnet, V hat geschwungene Schenkel, bei P geht die Schlinge über die Mit'6
der Verticalhaste hinunter, die selber etwas unter die Zeile reicht. Der letztge-
nannte Buchstabe ist genau so in der überhaupt (auch in der Form des Sigma: ^)
ähnlichen Inschrift Jnscr. gr. ant. Nr. 406, die vor der Schwelle der Kirche def
Panagia Marmariani zu Marmara liegt; Grosser Pfeiler (Br. 0-46, D. Ol05), das
Schriftfeld mit den grossen Buchstaben (0'035—0-045) liegt etwas vertieft, die Fläch8
darunter (H. 1-25) ist rauh gehalten. Der Stein soll vor etwa 25 Jahren in einem
der benachbarten Höfe gefunden worden sein; die umliegenden Felder gelten d*
Stelle eines Artemisheiligtums.
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