Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 190
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Zur Troilosschale des Euphronios

Das freundliche Entgegenkommen des Sindaco von Perugia*
Herrn Comm. T. Berardi, sowie der Directoren des städtischen
Museums daselbst, der Herren Graf Ro s si-S co tti und L. C a-
rattoli, ermöglichte es mir im verflossenen September, die von
Miss Harrison in dem genannten Museum wiederaufgefundene Troilos-
schale des Euphronios1) näher zu untersuchen und neu zu zeichnen )•
Als ich die Vase, halb verdeckt vom Eahmen der Vitrine, in nicht
ganz vorwurfsfreier Umgebung und mit der Fundetiquette „Tarros,
Sardegna" gewahr wurde, wollte ich im ersten Augenblicke an eine
moderne Copie denken; doch überzeugte ich mich bald, dass es
in der That das Original sei, welches die Verwaltung des Museums
vor wenigen Jahren mit anderen, zum Theil aus Tarros stammenden
Stücken aus dem Besitze des nach Afrika versetzten Obersten
Begni erworbeü hatte.

Die aus zahlreichen Fragmenten zusammengesetzte Schale ist
in überaus roher Weise restaurirt. Nicht nur sind die Zwischen-
räume zwischen den einzelnen Scherben wie die ergänzenden Füll'
Stückchen mit einem rothen oder schwarzen Firnis dick überschmiert,
der auch die Zeichnung nicht verschonte und selbst nach versuchter
Waschung mit Spiritus nicht immer die Begrenzung der Stücke
sicher verfolgen liess, sondern es sind mehrfach antike Stücke m1'
neuer Zeichnung versehen worden. Von diesem Verfahren sind im
Innenbilde am Achill nebst einem Stückchen der r. Achselklappe
hauptsächlich der untere Theil des kurzen Chitons, der r. Ober-
schenkel und Fuss — von Letzterem glaubte ich noch eine schwach
eingerissene Spur der Fersenlinie zu erkennen — betroffen worden;
am Troilos fast das ganze h Bein, die Altarvolute mit dem be-
nachbarten Stück Gewand, der Gewandtheil am Hals, besonder3
aber der Kopf, an dem nebst dem grössten Theil der Wangen'
linien auch der Mund und der linke Halscontour überfahren sindi
eine Entstellung, die sich noch dadurch erhöht, dass die ins Ge-
sicht fallenden Löckchen abgesprungen und links eine Lücke un-
geschickt unten schwarz, bei den sich kreuzenden Händen rotb

*) Vergl. Klein, Meisteraign.2 S. 222.

3) Sie soll danach in einer der nächsten Serien der „Wiener Vorlegeblätter
reproducirt werden.
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