Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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überschmiert ist. Obwohl dieser modernen, sehr schlechten Ueber-
zeichnung, die mit Ausnahme von Troilos 1. Fusse der begreiflicher-
weise nicht allzukräftigen Waschung widerstand, vielfach Spuren
antiker Risslinien zu Grunde liegen mochten, sind sie in der
Zeichnung doch weggelassen worden, da sich diese auf strenge
Wiedergabe alles Echten beschränkte. So entfallen auch als er-
gänzt: Im Innenbilde am Achilleus das r. Stück des Panzers bis
zu den Pteryges, die untere Hälfte des 1. Armes, der halbe r. Unter-
schenkel mit einem Stück des Schildes, am Troilos r. Arm und
Schulter, sowie bis auf einen schmalen Saum oben und unten die
rechte grössere Hälfte des Gewandes nebst dem anstossenden Stück
des Altars. Auf den Aussenseiten sind ausser den bereits bei Ger-
hard, auserl. Vasenb. III. Tf. CCXXIV f. angegebenen Ergän-
zungen alle Theile antik; nur klaffen in A (nach Klein, Meister-
sign.'2 S. 141 f. Nr. 8) an den Pferden durch die Köpfe, an dem
Handpferd auch durch den Unterleib, in B durch den Helm, wel-
chen der Jüngling r. herabholt, die Füsse der beiden Mittelfiguren,
den 1. Arm und die Brust des anderen Jünglings die auf erwähnte
Weise verschmierten Fugen. Dagegen hat aussen das Abspringen
der schwarzen Farbe um die Silhouetten und in den Linien der
Zeichnung3), welches im Innenbilde fast nur die r. Schulterlocken
des Achilleus zerstört hat, so weit um sich gegriffen, dass in A
Oberkörper und Kopf des Troilos ganz verloren, die Palmenkrone
Hebst dem Schwanz des Handpferdes aber, gleichwie in beiden
Fildern sämtliche Köpfe und das Meiste an den Gewändern nur
>u sehr schwachen Risslinien erhalten sind, welche ich, da sie zum
Theil nur mit grösster Anstrengung und bei scharfer Beleuchtung
zu erkennen waren, mehr nachzeichnete als bauste. Diese im
■Doppelcontour wiedergegebenen Risslinien gehören wenigstens theil-
Weise, wie am r. Arm der bärtigen Mittelfigur von B und vielfach
an den Gewandfalten zu entnehmen ist, der Vorzeichnung an, da
die erhaltene Ausführung davon abweicht; in den meisten Partien,
so besonders den Gesichtern, deckte sich allerdings die definitive
Zeichnung damit. Die auf- und absteigenden Contouren der Gewand-
säume verrathen nebenbei eine sehr flotte Hand, die sich offenbar
mit diesem mechanischen Detail rasch abfinden wollte.

3) Die Begrenzung dieser abgesprungenen Theile des Firnisses ist um die
Figuren durch zitternde Linien angegeben.
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