Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 192
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Dass für die Zeichnung Gerhards4), welche jene Unterschiede
nicht hervorhebt, die Vase noch in besserer Erhaltung des Vor-
handenen vorlag, ist möglich: dass vollständiger, bezweifle ich
trotz der Hervorhebung einiger Ergänzungen — übrigens nicht
durchaus in correcter Begrenzung — und trotzdem im Innenbilde
bei Achill von dem oberen Ende der Schwertscheide oder dem wohl
auf Missverständnis beruhenden Klappenende unter der 1. Schulter
heute nichts zu sehen ist. Andrerseits lässt aber die Abbildung
Gerhards Dinge, die noch jetzt zu erkennen sind, wie das i* m
i-vkozd) oder das gehobene r. Vorderbein des einen Pferdes, ver-
missen, sowie sie den Panzer des Achilleus in A, das Ortband am
Schwert des ersten, den Helm des zweiten Jünglings in B nicht
treu wiedergibt. Schwierigkeiten begegnet die Annahme, dass die
keinen wesentlichen Punkt betreffenden Abweichungen vom Original
lediglich Ergänzungen in der Zeichnung sind — die Falten in dem
Chitonbausch auf A und B gehen sicher auf die in blassen Strichen
erhaltenen des bärtigen Kriegers in der Mitte von B zurück
nirgends; vielmehr beruht in den als unantik bezeichneten Theilen
des Kopfes von Troilos, der Beine von Achill und Troilos in / die
Zeichnung unverkennbar auf dem gegenwärtigen Zustande, nur die
elenden Füsse sind etwas verbessert. Ebenso liegt dem Ueber-
schlag am Chiton des Troilos sicher die eigenthümliche schuppen-
artige Abgrenzung eines oberen und unteren Theiles zu Grunde,
die sich heute an jener Stelle vorfindet. Die Begrenzung des Er-
gänzten ist übrigens dort am schwierigsten und auch darin die
Zeichnung aus dem jetzigen Zustand heraus verständlich.

Die Backenlasche und die künstlichen Haarbuckel an dem Helm
des Achilleus im Innenbilde sind in feinem Relief gebildet, welches
jetzt bloss die rothe Thonfarbe zeigt; nur an der Backenlasche sind
Reste schwarzer Zeichnung erhalten. Auch bei dem eingesetzten
rechten Pterygesfragment besteht eine solche Erhöhung des oberen
Theiles, doch ist derUebergang zu den Gewandfalten ein allmählicher'
Ebenso bleibt es unsicher, ob in B an der Backenlasche des bär-
tigen Kriegers in der Mitte das gleiche Verfahren zu erkennen sei-

Wien, 14. November 1887 EMANUEL LOEWY

4) Dieselbe lag mir bei Anfertigung' der Bause nicht vor.

5) Derselbe Name, vereinigt mit dem des Panaitios, findet sich auch auf dein
Bilde einer flachen Schale des Duris in dem Museum des Grafen Faina zu Orvieto
(Inv. Nr. 70), wovon ich gleichfalls eine Bause zur Veröffentlichung genommen habe.
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