Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Daneben halten wir nun den plinianischen Bericht 35, 151 :
Fingere ex argilla similitudines Butades Sicyonius figulus primus in-
venit Corinthi filiae opera, quae capta amore iuvenis, abeunte illo
peregre, umbram ex facie eins ad lucernam in pariete lineis circum-
wnpsit, quibus pater eins impresso, argilla typum fecü et cum ceteris
fictilibus induratvm igni proposuit; eumque servatum in Nymphaeo,
donec Mumrnius Corinthum everterit, tradunt.

Athenagoras, der die Koroplastik ableiten will, findet es nicht
nöthig, den Namen des Butades zu nennen, dagegen gibt Plinius,
der die Entstehung der similitudines erzählt, ausdrücklich an, dass
"ur die Gesichtszüge des Geliebten verewigt wurden, während Athena-
goras darauf nicht näher eingeht. Ein Unterschied ist noch in der
Situation. Der schlafende Jüngling bei Athenagoras ist wirkungs-
v°ller als der Reisende des Plinius. Der wichtigste Unterschied
hegt aber offenbar darin, dass Athenagoras das Werk als zu
Korinth befindlich angibt, während Plinius es der Zerstörung Ko-
'''öths zum Opfer fallen lässt, aber den Ort, wo es sich befand,
anzugeben nicht unterlässt. Ist es hier nun wirklich nöthig, zwei
zeitlich wesentlich verschiedene letzte Quellen anzunehmen, den
Gewährsmann des Athenagoras vor 146 v. Chr., den des Plinius
Dach dieser Zeit anzusetzen, wie es Robert S. 131 thut? Dass
Athenagoras das Bildwerk seiner Zeit noch existiren Hess, das
gehört so nothwendig zum Schluss seiner Geschichte, dass man da-
für kaum eine besondere Quelle, die er erst falsch zu benützen
Wte, verlangen darf. Die Frage liegt vielmehr einfach so, ob
das Werk überhaupt jemals existirt hat. Das scheint die genaue
Ortsangabe des Plinius zu verbürgen, aber die Geschichte ist doch
80 ungereimt, dass sie dadurch kaum glaublicher wird. Ich will
n,1r an das berühmte gemeinsame Werk von Protogenes und Apelles,
an jene tabula nihil aliud continens quam lineas visum effugientes
ei'mnern, von der Plinius ausführlich berichtet und schliesslich hin-
zufügt, dass er gehört habe, sie sei beim ersten Brande der kaiser-
lichen Burg (4 n. Chr.) zu Grunde gegangen. Hier liegt es doch
auf der Hand, dass dieser Brand dem Gewährsmanne des Plinius
sehr gelegen kam und dass dies Bild wie die zugehörige Geschichte
nichts weiter ist als eine pedantisch alberne Exemplification des
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