Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 199
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1887/0217
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
199

zuleuchten. Den Zusammenhang zwischen diesen Ornamenten und
den zuerst mit ihnen gepaarten und dann sie nach und nach ver-
drängenden Inschriften konnte die alte Kunstschriftstellerei gerade
so gut bemerken, als die moderne. Dagegen hat sich Robert nach-
drücklich ausgesprochen5). Die Namen, vermuthet er, schrieb man
nach der Meinung des Verfassers der eupiiuara bei, weil die blosse
Zeichnung ohne Färbung zur Charakteristik nicht genügte. Aber
that denn die „Innenzeichnung" nicht das Ihrige? Robert kann
das freilich nicht annehmen, er gibt ja zu, dass hiebei an Muskeln-
und Adernangabe nicht zu denken sei, die Kimon von Kleonä erst
später erfunden hat, sondern er beschränkt sich auf die „Angabe
des Auges, der Nasenflügel, kurz alles dessen, was über die Wieder-
gabe der blossen Silhouette hinausgeht". Aber Robert glaubt doch
nicht etwa, dass die Figuren des Kleanthes von Korinth blind ge-
wesen seien? Bei Strabo und Athenäus finde ich davon nichts.

Gegen meine Auffassung spricht allerdings, wie Robert be-
merkt hat, der ganze Zusammenhang, aber es kommt eben nicht
allzuviel darauf an, in welchem Zusammenhang sich Plinius die
unverstandenen Notizen ordnete. Für ihn war es ein Fortschritt,
dass bei Aridikes und Telephanes sich dabei „Innenlinien" fanden,
mit denen er nichts weiter anzufangen wusste, die uns aber an die
rhodischen Teller, melischen Gefässe, an Ariston von Kos und Aehn-
'iches erinnern. Die Bilder des Kleanthes haben wir uns ohne
solche zu denken. Er ist daher ganz aus demselben Grunde als
jünger anzusetzen, aus dem ihm Plinius die beiden anderen Meister
vorzog, und hat die Malerei nicht erfunden. Nach Aridikes und
Telephanes kommt bei Plinius Ekphantos von Korinth und mit ihm
die Farbe. Primus inlevit eas colore testae ut ferunt tritae. Das
aufgesetzte Roth der altkorinthischen Vasen und Pinakes erläutert
diese Worte deutlich, es ist gewiss dasselbe Ziegelroth, das auf
Bildern des Ekphantos in die Augen fiel und daher auf sein Conto
Übertragen wurde. Die Monumente aber lehren uns auch hier, wie
bei Aridikes und Telephanes , die „neue Erfindung" ihrem wahren
Werthe nach schätzen. Es ist zweifellos die ältere Gruppe korin-
thischer Malereien, auf denen das Roth die Hauptrolle spielt und an
die goldenen Figuren der alten Einlegetechnik erinnert. Erst nach

5) Der Vorwurf, den mir Robert macht, ich hätte Euphronios 2 S. 48 durch
Interpunktionsänderung einen monströsen Satz hergestellt, habe ich so nicht ver-
dient. Der Weglassung des Punktes lag jede böse Absicht fern.
loading ...