Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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und nach verliert es an Boden, und hierin, nicht in seinem Auf-
kommen, ist ein wesentlicher Fortschritt zu erkennen6). Es ist
demnach in hohem Grade wahrscheinlich, dass Ekphantos gleich-
falls hinter Kleanthes zurücktreten muss, wenn wir ihn auch f®
jünger als Aridikes und Telephanes halten dürfen.

Für Ekphantos hat Pliuius ein Zeitansatz vorgelegen, der in
sein chronologisches System keine Aufnahme finden konnte. Der-
selbe sollte nämlich nach Cornelius Nepos Korinth im Gefolge des
verbannten Demarat verlassen haben. Die Thatsache wagt Plinius
natürlich nicht zu bezweifeln, aber er half sich, indem er einen
zweiten, bedeutend jüngeren Ekphantos annahm. Ekphantos ist
aber nicht der einzige Künstler, der mit Demarat nach Italien aus-
gewandert ist. An einer anderen Stelle, bei Gelegenheit der Töpferei,
bringt Plinius dieselbe Notiz ausführlicher und zählt Euchir, Eu-
grammos und Diopos auf. Des Euchir aus dem VII. Buche hat er
sich weder in der Malergeschichte noch in dem Töpferanhang er-
innert, er hätte sonst zweifellos auch diesen auseinander spalten
müssen. Wir aber treffen nun den „Erfinder der Farbe" in guter
Gesellschaft mit dem Vetter des Daidalos und „Erfinder der Malerei''
wieder.

Plinius bricht nun plötzlich die Auseinandersetzungen über
die Anfänge der Malerei in Griechenland ab und springt mit den
stolzen Worten: iam mim absoluta erat pictura etiam in Italia auf
den heimatlichen Boden hinüber. Seine Absicht ist zunächst, wie
bereits Furtwängler bemerkt hat, nur den Beweis zu liefern, dass
der Ekphantos des Cornelius Nepos nicht der richtige gewesen sein
kann, und dazu zählt er eine Reihe völlig farbiger Bilder zu Ardea,
Lanuvium und Caere auf, die sämmtlich noch vor der Gründung
Korns entstanden seien. Einmal im Zuge, erzählt er von der ein-
heimischen Malerei in Rom und den griechischen Bildern daselbst
bis in die Kaiserzeit und bricht wieder ebenso plötzlich mit dem
Ausruf: hactenus dictum sit de dignitate artis morientis ab. Nun weist
er wieder auf den Anfang hin und verknüpft ihn mit den Dingen,
die da kommen sollen. Quibus coloribus singulis primi pinxissent
diximus cum de Iiis pigmentis traderemus in metaüis"7) qui monochro-

<•) Vergl. P. J. Meier, Athen. Mitth. 1885 S. 249.
') 33, 115. 117. 160,
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