Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Die grosse Lücke zwischen jenem Zeitpunkte vor der Grün-
dung Roms und Olympias 90 versucht nun Plinius aus eigenen
Mitteln auszufüllen. Er erinnert sich zunächst, dass die chronolo-
gische Tabelle der Erzgiesser im voraufgehenden Buche mit Phidias
und der 83. Olympiade begann, und bemerkt nun überlegen, dass
Phidias als Maler seine Künstlerlaufbahn eröffnet und einen Schild
gemalt habe, dass Panainos, den auch er für den Bruder desselben
hält, in dieselbe Olympiade gesetzt werde und gleichfalls (wie es
einem Bruder ziemt) einen Schild und zwar innen bemalt habe —•
freilich erzählt er später, dass derselbe auch noch die Marathon -
Schlacht mit den wohlgetroffenen Porträts der Commandirenden
darstellte, denn adeo iam colorwm usus increbruerat. Nach Phidias
und Panainos kommen dann Polygnot und Mikon, gewiss eine etwas
seltsame Chronologie, aber das beste an der Sache ist doch, dass
er von diesen beiden die gemeinsame Ausschmückung der Stoa
poikile in einer Weise erwähnt, die uns lehrt, dass er gar nicht
wusste, dass jenes Bild der Marathonschlacht ihres angeblichen
Vorgängers mit zum Schmucke dieser Halle gehörte. Wir werden
darauf noch zurückkommen müssen, für jetzt wenden wir unsere
Aufmerksamkeit seinem Versuche zu, einen noch weit früheren
chronologischen Fixirpunkt für die Datirung undatirter Meister zu
gewinnen. Die schöne Geschichte von der Freigebigkeit des Lyder-
königs Kandaules, der dem Maler Bularchos ein Schlachtenbild mit
Gold aufwiegt, zeigt, meint Plinius, wie viel die Kunst schon vor
Olympias 18 werth war, in welcher Olympiade besagter König, und
zwar merkwürdigerweise im selben Jahre mit Romulus das Zeit-
liche gesegnet hat. Sie wird dadurch nicht besser, dass sie nicht
ganz neu ist. Unser Autor hat sie schon einmal im VII. Buche 126
kurz erzählt: Candaules rex Bularchi picturam Magnetum exiti, haud
meclioeris spati, pari rependit auro. Die Ausgleichung der Todes-
daten des Kandaules und Romulus (nach Herodot stirbt jener
Olymp. 16) weist einer Quellenuntersuchung die Wege. Ich be-
schränke mich zu bemerken, dass ich für die unmittelbare Vorlage
Cornelius Nepos halte, der auch im Index zum VII. Buche citirt
ist und über Romulus sicher im Buche De regibus Romanorum ge-
schrieben hat, aber auch über Kandaules im Buche De regibus ex-
terarum gentium geschrieben haben wird. Die letzte Quelle ist Pse""-
doxanthos, wie bereits Welcher bemerkt hat10).

10) Ueber die unechten Lydiaka des Xanthos, Kleine Schriften I 439. Au
Xanthos rieth schon Creuzer a. a. O.
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