Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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An der Wahrheit der Geschichte zu zweifeln, kommt Plinius
gar nicht in den Sinn, er ist fest überzeugt von der Wichtigkeit
der Entdeckung, die ihm nun gestattet, alles was vor die volle Ent-
wicklung der Malerei fällt, auch vor Olymp. 18 zu datiren u). Also
in möglichst weite Entfernung davon die „principia", da man ohne
Farbe gemalt hat, etwas näher die Monochromatiker, von denen er
bisher nur Ekphantos erwähnt hat und nun drei aufzählt: Hygiänon,
Dinias und Charmadas, mit dem Zusätze: quorum aetas non traditur,
dann „Eumarus" von Athen, der Männlein und Weiblein unter-
schied und dazu, wie uns die Vasen sagen, zwei Farben brauchte,
schliesslich Kimon von Kleonä, der des „Eumarus" inventa excoluerit.
Glücklicherweise sind wir jedoch weder für Eumares noch für Kimon
auf Plinius Zeugniss allein angewiesen und haben daher jetzt nur
die drei Monochromatiker näher zu betrachten, für welche jedes
andere fehlt. Ich glaube sie sind in die Reihe der archaischen
Maler gekommen, wie Pontius ins Credo. Plinius hat ihre Namen
nicht in einem chronologisch geordneten Verzeichniss gelesen, das
beweist sein Geständniss, es kann also nur ein systematisches ge-
wesen sein, wo sie wahrscheinlich vor den Tetrachromatikern ge-
standen haben werden, über welche unser Autor eine seiner schönsten
Dummheiten gesagt hat12). Von dieser Technik hören wir, so viel
ich weiss, nur noch einmal und zwar von Plinius selber, der 35, 64

") Im folgenden Buche 15 hat er aber dieselbe völlig vergessen, da er
von der Marmorbildhauerei daselbst anmerkt: Non omütendum hanc artem tanto
vetustiorem fuisse quam picluram aut staluaviam, quarum utraque cum Phidia coepit
octogesima tertia Olympiade, post annos eircüer CCCXXX1I. Ich kann darin nichts
sehen, als was bereits Furtwängler S. 17 darin sah, das »naive Bestreben des
Plinius, jeweils der Kunst, von der er gerade spricht, das höchste Alter zu vindi-
ciren". Als Beispiel solcher Naivetät mögen hier drei Stellen aus dem 36. Buche
nebeneinander gehalten werden:

20. sed ante omnia est nön solum Praxitelis verum in toto orhe terrarum
Venus . ..

26. .. .praeterea Venus (von Scopas) Praxiteliam illam antecedens.

37. (vom Laocoon) opus omnium et picturae et statuariae artis praeferendum.
Robert, arch. Märchen S. 26, sch^esst aus diesem Widerspruch zu viel, gibt er
doch S. 62 und S. 159 seines Buches selbst ein hübsches und lehrreiches Beispiel.

1J) 35, 50: Quaüuor colorihus solis immortalia illa opera fecere — ex albis
Melino, e silaciis Attico, ex rubris Sinopide Ponlica, ex nigris atramento — Apelles,
Aetion, Melanthius, Nicomachus clarissimi pictores cet. Folgt die unvermeidliche
Diatribe auf den zeitgenössischen Luxus. An diese Mittheilung erinnert er 35, 92
die Leser vor dem coloristisch so wirksamen ephesischen Porträt Alexanders mit
dem Blitze von Apelles: legentes meminerint omnia ea quattuor colorihus facta.
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