Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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im kritischen Scheidewasser nicht auf14). Bezüglich Ekphantos
kann davon gar nicht die Rede sein. Wir haben früher bemerkt,
dass dasjenige, was von ihm gemeldet wurde, auf bezeugte Werke
sicher schliessen liess ,ä), und ihn zeitlich nach Aridikes und Tele-
phanes einzuordnen versucht. Auch Kratons von Sikyon müssen
wir noch erwähnen. Die Nachricht des Athenagoras, er habe die
schwarzen Figuren eines Mannes und einer Frau auf einen weiss
überzogenen Pinax gemalt, klingt sehr glaublich, und Robert hat
dabei auf schwarzfigurige Malerei auf Pfeifenthongrund hingewiesen.
Diese Technik nöthigt uns aber keinesfalls, unseren Meister viel
später als die vorher erwähnten anzusetzen und der Gegenstand
wohl auch nicht,B). Er gemahnt uns doch zunächst an die Paare
auf der olympischen Kypsele und auf der spartanischen Basis.
Etwas mehr erfahren wir von Bildern des Kleanthes und Aregon.
Strabo erwähnt als sehr berühmte Gemälde dieser beiden korin-
thischen Meister im Tempel der Artemis Alpheionia und zwar vom
ersteren eine Iliupersis und eine Athenageburt, von dem letzteren
eine Artemis auf einem Greifen. Die Quelle Strabos ist wohl De-
metrios, aus dessen TpuutKÖc; öiciKOcruoc; Athenäus (VIII 346 C) ein
Detail des Athenageburtbildes, den Poseidon Ouvvov toi Ali 7rpocr-
cpepwv üüöh/ovTi, erwähnt. Der Ausdruck dvaKeiuevn an dieser
Stelle macht es allein schon wahrscheinlich, dass wir uns diese
Bilder nicht als Wandbilder, sondern als einfache Votivtafeln vor-
zustellen haben, und ich denke, sie werden die einzigen an dieser
Stelle nicht gewesen sein und ihre Hervorhebung vor Allem der
Künstlerinschrift verdanken. Ihren hochalterthümlichen Charakter
erweist schon der Umstand, dass man Kleanthes die Erfindung
der Malerei zuschreiben konnte, und es ist kaum anzunehmen,
dass sich seine zwei Bilder von der im siebenten Jahrhunderte

") Eucheiros als Vasenfabrikant und Euergos als Bildhauer und Ziegel-
fabrikant sind die nächsten Analogien hiefür. Auch Eucheir, Eubulides Sohn, und
Euhulides, Eucheirs Sohn, sind bekanntlich durchaus real.

l5) Den Melier Ekphantos der columna Naniana Löwy, Inschr. gr. Bildh. 5, und
seinen Landsmann der entsprechenden Inschrift Löwy 25 hat Studniczka für Vasen-
oder Pinakesmaler erklärt. Ich kann ihm hierin um so lieber beistimmen, als ich
gleichfalls, freilich zu spät für meine Meistersignaturen, zur Einsicht gekommen
bin, dass die beiden Säulen melische Thongefässe trugen. Seiner Identificirung
der beiden Ekphantos kann ich aber nicht folgen.

1C) Ueber das Alter und die Verbreitung dieser Technik vergleiche Puchstein,
Areh. Zeit. 1881 S. 221.
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