Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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nicht so erklärt, wie es bei Plinius übersetzt wird, sondern als
Umriss gedeutet. Aber gerade dieser Einwand bat den lebhaftesten
Widerspruch hervorgerufen, während die These selbst, so viel ich
sehe nur mit Ausnahme Roberts, bei allen auf diesem Gebiete
thätigen Gelehrten Anklang gefunden hat. Zunächst hat Winter und
ihm folgend P. J. Meier und Robert für catagrapha die plinianische
Bewerthung wieder eingesetzt, aber ihre Behandlung der Stelle
sagt es am besten, wie wenig man sich bei der Angabe, Kimon
habe die Profilzeichnung erfunden, beruhigen könne. Studniezka
stimmt mit mir darin überein, dass die plinianische Erklärung nicht
lothwendig auch die richtige sein müsse, und deutet auf Grund der-
selben Stellen, auf die hinblickend ich zu meiner Deutung kam,
catagrapha mit »Projection" und vermuthet demnach bei Kimon
Kenntnis der Linearperspective. Er beruft sich dabei neben Otfried
Müller auch auf die älteren Maler rothfigurigen Stiles, die nbekannt-
lich« in der perspectivischen Darstellung der Menschengestalt grosse
Fortschritte gemacht haben. Ich muss gestehen, davon bisher
nichts bemerkt zu haben. Aber wie es sich immer mit der Deu-
tung dieses Wortes auch verhalten möge, als feststehend wird der
Zusammenhang der Umrisszeichnung mit den übrigen kanonischen
Neuerungen doch gelten müssen. Ich mag hier nicht wiederholen,
w&s ich an anderer Stelle über die Bedeutung dieses Momentes
gesagt habe, und nur auf Winters Einwurf, es sei unwahrscheinlich,
dass die Umrisszeichnung in der grossen Malerei jemals anders als
für den ersten vorläufigen Entwurf verwendet sein sollte, erwidern,
dass die grosse Malerei dieser Zeit mit der Vasenmalerei doch wohl
als wesensgleich betrachtet werden müsse und dass auch eine leichte
Golorirung, wie sie das Alabastron des Pasiades zeigt, das Wesen
der Umrisszeichnung keineswegs aufhebt. Die colorirten Holz-
schnitte sind ja auch darum nicht weniger Holzschnitte. Die Lyseas-
stele aber hat meines Erachtens mit der neuen Technik so gut wie
gar nichts zu thun; käme es nur darauf an, ob die Figuren hell
auf dunklem Grunde sich abheben, dann gehörten am Ende Männ-
lein und Weiblein der schwarzfigurigen Vasen zwei verschiedenen
Stilen an.

Ueber Kimon von Kleonä findet sich noch eine Notiz bei
Aelian Varia historia VIII 8: Kiuuuv 6 KXeuuvaToc; eEeipTdcraid cpacn
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Archiiologisch-epigi-aphisclie Mitth. XI. 14
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