Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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folgen. Auch Winters Zeitansatz, der auf Grund der Lyseasstele
Kimon vor die Mitte des sechsten Jahrhunderts hinaufrückt, scheint
mir unzulässig. Ich glaube die Chronologie Kimons nur danach
bestimmen zu dürfen, dass er nach Eumares und in Zusammenhang
mit dem epiktetischen Kreise anzusetzen ist. Und über beides
werde ich noch zu handeln haben.

Das Epigramm unseres Meisters hat Schule gemacht. Mag
aas uujuf|(7eTCü Tic; uäMov r| uiutfjffeTou Apollodors und vielleicht auch
des Zeuxis wirklich auf Theognis 369 f. zurückgehen "2) und in der
glücklichen Fassung, die ihm wer weiss wer gab, zum beliebten
Motto geworden sein, das auuiunTov b' oübev erevTO ßpoToIc; des
Parrhasios lehnt sich an Kimon an. Aber weit inniger noch das
Epigramm eines Iphion von Korinth, von dem wir nichts als die
zwei Epigramme Anth. Pal. XIII 17 u. IX 757 kennen. Das eine:

'Icpioiv (töö') efpavjjev ea xepi, xöv 7i0Ka ööaip
Gpeijje TTeiprjvnc; äno

trägt den Localpatriotismus so stark auf, wie nur irgend eines der
Oesiotischen Bildhauer, zunächst gewiss aus ähnlichem Grunde; ob
aber nicht auch ein gut Stück Rivalität gegen seine lieben sikyoni-
schen und kleonäischen Vettern darin steckt? Ich glaube, dies
sagt das zweite klärlich. Es lautet:

'Icptuuv Tob' eYpaijje KopivGioc;' oük evi uümocj
Xepoiv, enei bögaq epxa tcoXü irpocpepei.
Es ist längst bemerkt worden, dass hier das kanonische Epigramm
directe Voraussetzung ist"3), aber der Schluss, den man zunächst
daraus gezogen hat, dass beide Epigramme nicht authentisch seien,
bedarf heute keiner Widerlegung mehr. Die Zusammengehörigkeit
Iphions mit Kimon beweist es klar, und das hat auch Bergk ge-
sehen, wenngleich seine Vermuthung, derselbe habe in dem Tempel
mit Kimon und Dionysios gearbeitet, unbeachtet bleiben muss.
Aber dennoch mag es nicht unnöthig sein, diese Zusammengehörig-
keit auch heute zu betonen, zumal beide Meister in der Overbeck-
schen Schriftquellensammlung durch nicht ganz 600 Nummern von
einander getrennt erscheinen.

Hieher möchte ich auch Deinias, Hygiainon und Charmadas
setzen, von denen ich oben gehandelt habe. Der dorische Name

**] Benndorf, de anth. gr. epigr. S. 27.
23) Benndorf a. a. O. S. 30.

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