Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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des letzteren ist allerdings der einzige Anhaltspunkt hiefür, dann
verdankt Plinius die Kenntniss der Namen in letzter Linie Polemon.
Aber wenn es auch immerhin gelingen möchte, noch einen oder
den anderen Malernamen in die Liste der altsikyonischen Schule
einzureihen, die Lücke zwischen ihr und der neueren Schule ist zu
gross , um dadurch geschlossen zu werden. Daran ist aber nicht
zu zweifeln, dass diese Lücke eben nur in unserer Ueberlieferung
besteht. Müssen wir doch auch für den Meister, welcher den Ueber
gang zwischen beiden vermittelte, Timanthes, den Nachweis seines
Sikyonierthums erst erbringen.

Bekanntlich liegen über die Heimat des Timanthes zwei ver-
schiedene Angaben vor. Eustathios nennt ihn bei der Erwähnung
seines Iphigenienbildes 6 Zikuuüvioc; fpaqyevq. Gewiss mit Recht. So
heisstnoch zu Aratos Zeiten, also sechs jeveai später, ein hervorragender
sikyonischer Maler, und das deutet verständlich darauf hin, in unserem
Timanthes den Ahnherrn eines kräftigen Künstlergeschlechtes zu er-
blicken, welchem mancher der uns überlieferten sikyonischen Maler-
namen angehören mag24). Aber er stammte vielleicht aus Kythnos?
So hat man seit Brunn die Angabe Quintilians, Timanthes ut opino?
Cythnius, mit der eustathischen in Einklang zu bringen gesucht.
Es ist nicht blos die Unsicherheit des Autors, welche mir diese Nach-
richt zweifelhaft macht, sondern vor allem der Umstand, dass so-
wohl Eustathios wie Stephanos von Kythnos erzählen, es habe
neben seinem bekannten Käse auch den Maler Kydias producirt,
und der konnte doch allein nur genannt werden, wenn ein Meister
ersten Ranges aus Kythnos eben nicht zur Hand war. Ich möchte
daher die Vermuthung wagen, die Angabe Quintilians verdanke
ihre Entstehung einer Verderbniss der ihm vorliegenden Ueberlie-
ferung. Wie leicht konnte (etwa in einer Künstlerinschrift) zekvonioS
zu kvqnioz verlesen werden. Ich kann daher nicht wie Robert
glauben, dass Antigonos unserem Meister den Platz in der asiati-
schen Schule zugewiesen habe, zumal auch noch das einzig übrig
gebliebene Indicium, sein ephesisches Bild versagt. Es hat nur die
Autorität des Tzetzes für sich, und wieviel diese werth ist, wird sieb
sofort ebenso deutlich als sonst zeigen. Ptolemaios Hephaistion
erwähnte im 1. Buche seines Anekdotenschatzes ein zu Epkesos

2<) Bereits Brunn, Künstlerg. II 290, denkt an einen Familienzusammenhang
der beiden Timanthes und vennuthet in dem jüngeren den Begleiter des Arat<>s
auf seiner ägyptischen Eeise.
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