Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 213
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1887/0231
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
213

befindliches Bild, welches die Ermordung des Palamedes darstellte
und Alexander dem Grossen, als er die dortige Galerie besuchte,
einen peinlichen Eindruck gemacht haben soll, weil der König eine
merkwürdige Aehnlichkeit zwischen dem Ermordeten und einem
seiner Günstlinge fand25). Den Namen des Malers hat Ptolemaios
nicht genannt, weil er nichts zur Sache that, denn dass ihn Photius
zu excerpiren vergessen haben soll, ist doch nicht wahrscheinlich.
Tzetzes erzählt dieselbe Geschichte Chil. VIII198 unter dem Schlag-
wort TTepi TTappotoiou in folgender Verballhornung. Alexander wird
zu Ephesos durch den Anblick dreier Bilder erschüttert; es sind
diese: der Megabyzos des Parrhasios, der Menelaos des Zeuxis
und der Palamedes des Timanthes. Nun ist das erste Bild nicht
von Parrhasios, sondern von Apelles, wie Plinius 35, 90 längst hätte
lehren können 5 den Menelaos am Grabe seines Bruders von Zeuxis
halte ich für ebenso glaubwürdig, als die damit verbundene Nach-
richt, dass derselbe ein Ephesier gewesen sei, und das Bild des
Timanthes ist, wie bereits bemerkt, bei Ptolemaios Hephaistion
anonym. Diesen Schriftsteller scheint Tzetzes gut zu kennen, Chil.
VIII 397: ET uou töv 'Hcpoucmiuva YivuücTKeic; TTxoXeuaiov, dennoch
gibt er hier als seine Quelle die Ephemeriden des Aischron von
Mytilene an, also eine Alexander zeitgenössische Schrift; das ist
doch eine sehr durchsichtige Lüge, und sie legt die Vermuthung
nahe, dass schon Ptolemaios sich auf diesen berufen habe. Aber
der Umstand, dass von Timanthes nur wenige Bilder erwähnt werden,
soll uns nicht zum Verzicht auf kritische Betrachtung der Ueber-
Üeferung ermuntern, noch weniger aber gibt er uns das Recht, die
Zahl derselben mit schlechten Vermuthungen zu vermehren, und
deshalb bitte ich Nr. 2 bei Overbeck — 3. Bild bei Brunn von
der Liste einfach zu streichen. Die Sache liegt ja einfach genug.
Parrhasios wird zu Samos im Wettkampf besiegt, von Timanthes,
Wie Plinius durchaus glaubwürdig berichtet, während Athenäus,
Eustathios und Aelian den glücklichen Sieger verschweigen. Er
hatte den Aias gemalt, welcher dem Odysseus im Waffenstreit unter-
liegt, und rächte sich nun mit dem guten Worte, es thue ihm nur
Um seinen Helden leid, der jetzt zum zweiten Male von einem
Unwürdigen besiegt worden sei. Das hätte nun gar keinen Sinn,
Wenn das Bild des Gegners, von dem wir nicht das Geringste er-

") Er hiess Aristonikos und war der Genosse Alexanders im Ballspiele; von
seinen Ehren Athenäus I p. 19 A,
loading ...