Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 216
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1887/0234
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
216

für Duris von Samos, der sie erzählt, als für Eupompos ist, wir
demnach also kaum in der Lage wären, auch nur daran zu denken,
die Summe seines künstlerischen Wirkens zu ziehen, erhalten wir
diese von Plinius selbst in dürren Worten: Ipsius auctoritas tanta
fuit ut diviserit picturam in genera: quae ante eum duo fuere — Hella-
dicum et Asiaticum appellabant —■ propter hunc qui erat Sicyonius
diviso HeUadico tria facta sunt, Ionicum} Sicyonium, Atticum. Da-
nach fängt für die moderne Geschichtschreibung der griechischen
Kunst die sikyonische Malerei mit Eupompos an, weil es die antike
so that, ich hoffe aber das Eine festgestellt zu haben, dass die
sikyonische Malerschule nicht weniger Ahnen zählte, als die Bild-
hauerschule der Dädaliden. Aber diese Eintheilung in genera will
auch nicht mehr sagen, als sie sagt. Eupompos war nicht der
Stifter einer besonderen Schule, für den er bisher gegolten hat, und
wenn was man genus Sicyonium nannte bei ihm anfing, so rührt
dies einfach daher, dass für das Stilgefühl der antiken Kunstge-
lehrten sich die sikyonischen Bilder vor Eupomp aus der Masse
der „helladischen" nicht genau genug abhoben. Es ist uns leider
nicht bekannt, welcher der antiken Gelehrten diese Eintheilung
schuf58), an deren Berechtigung ich nicht zweifeln will, aber unver-
kennbar ist es doch, dass sie unseren historischen Bedürfnissen
nicht genügen kann.

Erst von Eupompos ab ist in unseren Quellen von einer
sikyonischen Malerei in dem Sinne die Rede, in welchem wir etwa von
venetianischer sprechen, also in dem eines künstlerischen Gesammt-
charakters. Und wie nirgends sonst wird hier gerade dieses Moment
so stark betont. Von sikyonischer Malerei hören wir fast mehr,
als von sikyonischen Malern. Die Meister sind es nicht, die in
den Vordergrund treten, sondern die von ihnen geübte Manier.
Sie erhält das Prädicat der xP^CTOTpoopiot und ist die allein selig-
machende wq uovnc; döidcpQopov ex°uffri<5 T0 Kcdöv29). Von überall
strömen die Schüler herbei, so dass Pamphilos schon das Lehrgeld
auf ein Talent in zwölf Jahresraten erhöhen konnte, und in Ale-
xandria wie in Pergamon zahlte man für alte Sikyonier horrende

ss) Der Alazon des Theophrast, von seinen erlogenen asiatischen Feldziigen
schwadronirend, kommt auch auf die Kunst zu sprechen Charakt. 23 Kai irepi tiIiv
Texvifiliv tuüv ev Trj 'Aaia, oti ßeVrioue; eiai tCüv £v xr| Eüpwirn, äfxcpiffßriTriaai.

«) Plut. Arat. 12 u. 13 = Overb. 1749.
loading ...