Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Summen30). Aratos besorgte persönlich in Sikyon Ankäufe für Pto-
lemaios IL, besonders, wie ausdrücklich angegeben wird, Bilder
von Pamphilos und Melanthios31), und so kam dieser in den Besitz
einer schönen Sammlung von alten Sikyoniern, die sich offenbar
sehen lassen konnte. Wie er damit geprunkt hat, davon erzählt
Kallixenos bei Athenäus V p. 196 E. Zu den finanziellen Bedräng-
nissen, welche die Galerien Sikyons leeren halfen, gesellte sich noch
gleichzeitig politischer Vandalismus, und doch fand Polemon da
noch Stoff genug für seine beiden der sikyonischen Malerei gewid-
meten Schriften. Sollten da nicht die „apographa" ihren Theil an
diesem Wunder haben? Die lebhafte Nachfrage musste doch auch
die zeitgenössische Kunstübung nothwendig ein wenig reizen.

Aber worin bestanden denn diese so allgemein anerkannten
Vorzüge der sikyonischen Malerei ? Man hat zur Beantwortung
dieser Frage auf die gelehrte Thätigkeit vor allem des Pamphilos
aber auch seiner Nachfolger hingewiesen und auf die feste Schul-
tradition, die da an allen Ecken und Enden zum Vorschein kommt.
Brunn hat hierin eine bewusste und siegreiche Reaction gegen die
von ihm düster geschilderten Ausschreitungen des Zeuxis und Par-
rfiasios, welche er bereits dem Verfalle zusteuern sah, erblickt; Heibig
und Wustmann haben die Verteidigung der Angeklagten über-
nommen, der eine defensiv in seinem Aufsatze über Zeuxis und
Parrhasios, der andere offensiv, indem er die sikyonische Maler-
schule seinerseits einer neuen Betrachtung unterwarf'32), wobei denn
die „moralischen Reformatoren" glücklich zu „zopfigen Akademikern"
geworden sind. Auf solche Streitfragen einzugehen, dürfen wir
füglich ablehnen, da für sie die Verjährungsfrist längst abgelaufen
ist, deren allgemeiner Geltung nur innerhalb der populären Dar-
stellung eine Art Gewohnheitsrecht entgegensteht.

Der Ausgangspunkt unserer Erörterungen ist durch das be-
reits erwähnte auffällige Prädicat, welches Plutarch der sikyonischen

30) Als Beispiel Attalos Kaufgebot von hundert Talenten für den Dionysos
des Aristeides. Man wird hier einwenden, dass es sich dabei um kein Werk der
sikyonischen, sondern der „thebanischen" Schule gehandelt habe, und ich muss
allerdings gestehen, dass ich damit der folgenden Darlegung vorgreife. Uebrigens
ein Meisterstück sikyonischer Plastik, der Diadumenos des Polyklet, kostete be-
kanntlich genau so viel.

31) Bei Overbeck Schriftqu. 1749 ist hier statt Ptolemaios Philadelphos der
dritte Ptolemaeer eingesetzt. Vergl. Droysen, Gesch. d. Hellenismus III S. 343,

") Fleckeisens Jahrb. 1867 S, 649; Rhein. Mus. 1868 S. 454.
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