Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Stande der Forschung nur mehr ausschliesslich sikyonische Eigen-
tümlichkeit. Dagegen ist ein anderes Element in den Vordergrund
getreten, und ich brauche nur daran zu erinnern, dass wir die Dä-
daliden zuerst als Meister der Chryselephantin-Technik und dann
als die des Bronzegusses kennen gelernt haben. Da würde es denn
von vornherein kaum als unwahrscheinlich gelten dürfen, auch für
die sikyonische Malerschule die besondere Pflege solider Maltechnik
zu erwarten. Natürlich nicht in dem Sinne, als ob zu Sikyon die
Enkaustik erfunden und als Schulgeheimniss verwahrt worden wäre,
sondern in jenem, auf welchen die Parallele hinweist.

Die Prüfung dieser Annahme würde eine sehr einfache Sache
sein, wenn die Malergeschichte desPlinius so vortrefflich angelegt wäre,
wie Robert meint. Nun ist sie aber ein genau ebenso wüstes Durch-
einander kritiklos zusammengeraffter Notizen, wie die Geschichte
der Erzgiesser oder der Marmorbildhauer. Aus allen Ecken und
Enden müssen wir uns die zusammengehörigen Stücke hervorsuchen,
und wenn uns nicht andere Hilfsmittel zur Verfügung stünden, so
würde die Arbeit wenig lohnend sein. Unsere Sikyonier geben
davon das allerstärkste Zeugniss. Obgleich Plinius die sikyonische
Schule mit Eupompos geräuschvoll ins Leben treten lässt, weiss er
doch in dem Abschnitte über die Temperamaler ausschliesslich nur
noch von Pamphilos zu erzählen, dem Makedonier, der wohl freilich
den Weltruf der Schule begründet hat. Dass Melanthios sein
Schüler war, wie Apelles, erfahren wir hier, sonst nichts von ihm,
dessen Schrift über die Malerei Plinius doch eingesehen haben will,
und wenn jemand beispielsweise aus der Art, wie Melanthios und
Pamphilos sonst zusammen genannt werden, die Vermuthung wagte,
auch dieser wäre kein eingeborener Sikyonier, sondern könne eben-
sogut Makedonier gewesen sein, ich wüsste nicht, wie man dem
wehren könnte. Von den unserem Autor als Sikyonier bekannten
Meistern erscheint nur noch Nikophanes, aber gleichfalls incognito,
während er spä.ter bei den Enkaustikern unter den Schülern des
Pausias wieder behandelt wird. In dem kurzen Capitel über die
Enkaustiker ist allerdings von Sikyon verhältnissmässig mehr die
Rede, doch wir wollen die ganze Reihe der Meister dieser Technik
erst aufzählen. Plinius beginnt hier mit einer Polemik gegen die
Annahme, dass Aristeides der Erfinder der Enkaustik sei, die Pra-
xiteles völlig ausgebildet habe38). Wir erfahren nicht, wer die

3S) 35, 122: Ceris pingere ac picturam innrere quis primus excogitmerit non
constat. quidam Aristidis inventum puta/nt postea, conmmmatum a Praxitele, sed aliquantO

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