Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

Seite: 226
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Die beiden hier friedlich nebeneinander gestellten Stemmata,
von welchen Plinius oder richtiger sein Gewährsmann ein paar
Namen herabgepflückt und durcheinander geworfen hat, sind in
unserer kunstgeschichtlichen Literatur auf das strengste geschieden.
Das erste ist das der sogenannten thebanisch-attischen Malerschule,
von der die Alten nichts wussten, wir aber desto mehr wissen;
das zweite ist das der sikyonischen, von der hinwieder die Alten
sehr viel wussten und wir sehr wenig wissen. Dieses letztere in-
teressirt uns hier zunächst. Seine Construction beruht bis auf die
beiden rechts von Aristolaos gestellten Namen durchaus auf sicherer
Ueberlieferung. Sie enthält aber nicht alle der uns genannten
Namen sikyonischer Maler nach Eupompos, und ich halte es daher
für unerlässlich, den Rest noch nachtragsweise anzufügen. Vor
allem verdienen nachdrückliche Erwähnung zwei Namen, welche die
Verbindung mit der sikyonischen Erzgiesserschule bedeuten: Euty-
ehides, des Lysippos Schüler, den Plinius 35, 141 als Meister einer
Nike, die ein Zweigespann lenkt, nennt, und Arkesilas, der Sohn
des Tisikrates, eines Schülers von Lysippos grossem Sohne Euthy-
krates. Das Datum der Akine des ersteren, Olymp. 121, verträgt
sich mit dem Ansatz neben den Pausiasschülern, den ihm das
Parallelstemma der Lysippschule zuweist. Der andere, der zwei
Generationen später wirkt, reicht demnach in die Zeit des Aratos
hinein, um den sich die letzten sikyonischen Maler zu einer wirk-
samen Schlussgruppe vereinigen. Timanthes II. malte diesem ein
Schlachtenbild, das seinen Sieg bei Pellene verherrlichte; Leontiskos
malte ihn als Sieger, das Tropaion errichtend, Mnasitheos scheint
sein Kampfgenosse aus der Revolutionszeit gewesen zu sein48), und
Nealkes wird von Polemon ausdrücklich Aratos Freund genannt,
der die rührende Geschichte erzählt, wie dieser vor dem grausamen
Wütherich gegen alle gemalten Tyrannen das berühmte Bild des
Aristratos, an dem auch Apelles mitgeholfen haben soll, rettet,
indem er den Tyrannen in eine Palme verwandelt, aber so, dass
man die Füsse desselben noch hervorgucken sah. Polemons In-
teresse verdankt Nealkes seine häufige Erwähnung in der Literatur.
Hätte Polemon nicht die Anekdote erzählt vom Zufall, der bei
seinem Poppyzon das vollendet, woran der Meister verzweifelt, sie
wäre nicht so oft nacherzählt worden. So kam es auch, dass uns
noch ein Stemma seiner Schule erhalten ist.
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