Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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Akme des Aristeides I. auf Olymp. 98, seines Sohnes auf Olymp. 105
und seines Enkels auf Olymp. 112 doch zu hoch, und ich möchte
die alten Urlichs'schen, um zwei Olympiaden tieferen Ansätze doch
vorziehen, ohne dabei die ansprechende Vermuthung Krokers, der
den älteren Aristeides mit dem Polykletschüler gleichen Namens
identificiren will, abzuweisen. Das Ethnikon Thebanus wird heute
allgemein auf den Schüler des Euxeinidas nach Massgabe von
Plinius 35, 111 bezogen und wohl mit Recht; auf die Anführungs-
weise des Plinius ist aber kein sicherer Verlass, da er das be-
rühmte Dionysosbild 7, 126 dem Aristides Theb anus und 35, 24
dem Aristides kurzweg zutheilt. Schwerer ist die gerechte Ver-
theil ung der erwähnten Bilder und der verschiedenen Ruhmestitel.
Der angebliche Erfinder der Enkaustik ist zweifellos der ältere
Aristeides. Aber auf welchen geht die ausführliche Würdigung
35, 98: is omnium primus ultimum pinxit et senaus hominum expressit,
quae vocant Graeci cthe, item perturbationes, durior paulo in coloribus.
Plinius gibt uns hier die Wahl förmlich ausdrücklich frei, denn er
nennt zwar Aristides Thebanus als Subject, bezeichnet ihn aber
fürsorglich zugleich als aequalis des Apelles. Das omnium primus
dieses ürtheiles gehört zu seinesgleichen, aber ohne jede Analogie
]n der antiken Kunstkritik ist das harmlose Nebeneinander des
ganz typischen Gegensatzes von fj6o<; und TiäQoc,^3). Die Ankoppe-
lung dieses Pathos ist ungeschickt genug und hat auch Osann An-
lass zu einer schlechten Conjectur gegebenä(i), aber diese nUngleich-
heit" ist charakteristisch und darf nicht weggetüftelt werden. Wie
hier Grossvater und Enkel in einer Person auftreten, sind auch
folgerichtig ihre Weisen ineinander geflossen. Aber noch können
wir, wenn auch nicht ganz ohne Rückstand, die Scheidung voll-
ziehen. Dem Aristides Thebanus das Ethos, dem aequalis des
Apelles das Pathos und für das durior paulo in coloribus mögen
Glücklichere sorgen. Der berühmtere und bedeutendere ist zweifel-
los Aristeides L, dessen dominirende Stellung auch schon das Stemma
verkündet, und der vielgefeierte Dionysos muss ihm als Siegespreis

6ä) Ich denke, man wird sich hier nicht auf Aelian V. H.IV3 = Schriftqu.
1076 berufen mögen, wo das irdGoi; gewiss nur aus Versehen zum f]9o<; gekommen
lst, und zwar darum nicht, weil es sich hier um Polygnot handelt, bei dem das
Ethos exemplificirt und durch Gegensatz erläutert war.

56) id est für item. Jahn, Ber. d. sächs. Ges. 1850 S. 114, hat unsere Stelle
ausführ)ich besprochen und das nöthige Material beigebracht, so dass es genügt,
auf ihn zu verweisen.
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