Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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in diesem Kampfe zugesprochen werden; ihm als dem Thebaner
gehört auch das von Alexander zu Theben erbeutete Bild der er-
oberten Stadt an, eine Iliupersis, wie sie des Ethographen besonders
würdig ist57). Für den jüngeren bleibt noch allerlei übrig. Die
Perserschlacht, die er für Mnason von Elatea malte, dessen Kunst-
sinn sich in der Art, wie er zahlt, recht sonderbar ausnimmt00))
die Leontion, ja auch der endlos gelobte Kranke — doch ich breche
hier ab, ich hatte vor, von den sikyonischen Malern zu handeln,
und bin mitten in das Gestrüpp der Fragen, die sich um die nthe-
banisch-attischeu Malerschule schlingen, gerathen. Der Grenzpfahl,
der den Eindringling zurückschrecken sollte, ist doch wahrhaftig
gross genug und weithin sichtbar, denn er ist ganz neu. Sehen
wir ihn uns ein wenig näher an.

Die thebanisch-attische Malerschule taucht als Hypothese bei
Brunn, Geschichte d. gr. Kstl. II S. 159 zum erstenmale auf. Ihre
Begründung war ziemlich dürftig. Aristides Thebanus und ein Bild
in Theben und dann der Hinweis auf die rasch zusammenbrechende
Macht Thebens und auf seine Zerstörung, welche die Verlegung
der Schule nach Athen erklären sollte. Und trotzdem ist diese
Hypothese niemals in Frage gestellt, ja auch, so viel ich wenigstens
weiss, niemals weiter erörtert, sondern einfach der Reihe der ar-
chäologischen Glaubensartikel einverleibt worden, und wenn man
sich doch gelegentlich ihres hypothetischen Charakters erinnert hat,
so geschah es nur, um das placet wirkungsvoll anzufügen. . Und
das blieb so, obgleich sich der Stand der Frage recht wesentlich
verschoben hat. Die chronologischen Ansätze haben sich verän-
dert. Zwei Aristides stehen heute auf dem Plan, der Thebanus ist
nicht mehr Sohn des Nikomachos, sondern dessen Vater, und Brunn
hat hier selbst weiter gefördert, ja sogar den Versuch, einen dritten
Aristides in das Stemma zu stellen, gewagt. Dann hat Kroker den
älteren Aristides mit dem Schüler Polyklets identificirt, was nur

67) Plinius erwähnt als die Hauptsache einen besonders grausigen Zug a"
matris morientis ex volnere mammam adrepens infam, intellegiturque sentire mater
et Untere ne emortuo lade sanguinem lambat. Fürwahr sehr fein und es überläuft
einem ganz ordentlich, wenn man dies liest. Glücklicherweise haben wir aber
noch ein schlichtes Epigramm Anthol. Pal. VII 623, das die einfache und tragische
Grösse dieser Episode klar zum Ausdruck bringt.

68) Er zahlt ihm 100 Personen das Stück zu 10 Minen, dem TheomnestoS
für jeden Heros 20 Minen, dem Asklepiodor für 12 Götter das Stück zu 30 MinBO'
Er hat also seinen Tarif nach der Bangliste der Dargestellten geregelt.
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