Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 11.1887

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nicht unmöglich erscheint, hat Euxeinidas, der jetzt an der Spitze
des Stemmas steht, bei dem er die Malerei erlernte, für einen
kikyonier erklärt, was ich sehr gut zugeben kann, und ihn dann
reich mit Wissensschätzen beladen wieder ruhig in seine böotische
Heimat ziehen lassen.

Dort hören wir von epichorischen Malern auch zur Zeit der
Höchsten politischen Blüthe nichts. Die künstlerische Verherrlichung
der thebanischen Grossthaten bleibt freilich nicht aus; in Theben
selbst malt als Staatsauftrag Androkydes der Kyzikener eine
Grossthat von Pelopidas und Epameinondas, die dann durch Volks-
beschluss auf eines anderen Rechnung gesetzt wird; die Schlacht
bei Mantineia verherrlicht zu Athen Euphranor der Isthmier, und
der Sohn des Pausias, Aristolaos, malt eine Apotheose des Epamei-
nondas und Perikles. Nun, da in Theben absolut nichts aufzu-
finden ist, müssen wir das Suchen in Athen fortsetzen. Es wäre ja
gar nicht so verwunderlich, hätten die sich die ganze Schule, von
der ihnen nur ein Theil gehören sollte, einfach angeeignet. Aber
auch davon finde ich nichts. Die bekannte Stelle im Plutarch d
f/loria Atlieniensium 2, wo die Verdienste Athens um die Malerei
mit besonderem Nachdrucke aufgezählt werden, nennt Apollodoros,
Euphranor, Nikias, Äsklepiodoros und Panainos. Euphranor ist
aber nicht 'AGnvcuoc;, wie der Panegyriker will, und nur seine grossen
Werke in Athen hätten hier mit Recht herbeigezogen werden können.
Dass Nikias auch im Stemma vorkommt, beweist, zumal da er
einen ausserhalb desselben stehenden Vater hat, nichts. Ebensogut
könnte man des Apelles halber das sikyonische Stemma nach
Ephesos verpflanzen, und da Nikomachos und sein Sohn nicht als
Athener ausgerufen werden, so waren sie es auch sicher nicht.
Grössen wie Antenorides kann man vielleicht auch ohne ausdrück-
liches Zeugniss, und hier mag der Name dazu führen, als Athener
ansprechen äs), bei anderen muss das Athenerthum sehr sicher über-
liefert sein, sollen wir es ruhig gelten lassen können00).

Es ist mir besonders auffällig, dass der ältere Aristeides sein
Ethnikon fast ständig führt. Dreimal nennt ihn Plinius so, der
Euphranor beispielsweise nur einmal als Isthmius oder Pamphilus

6!l) Dass er so heisst, hat schon Letronne, Ann. 1845 p. 258, gelehrt, die
handschriftlich überlieferte Form Antorides steht nur noch in den Plinius-Ausgaben.
60) Loeschcke, Dorp. Progr. 1887 S. 8.
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